Die unteren Zehntausend

Marcus Strahl / Damon Runyon

Ein Kaleidoskop typischer Wiener Figuren, die das Herz und ihre berühmte Goschen am rechten Fleck haben.
Wien in der Nachkriegszeit. Der Naschmarkt mit seinen Originalen: Der Gurken- Gustl, die Würstel-Wally, die dichtenden Huren Kiki und Gucki, der Taschendieb Dingerl, der Sandler Tschik. Sie alle verehren den verhinderten Anwalt und amtierenden Wettkönig Stefan, ehrfürchtig „Lord“ genannt, der den Urgesteinen vom Naschmarkt immer wieder aus der Patsche hilft. Ob Marktamt oder Sittenpolizei: Der juristisch „halbgebildete“ Unterweltmäzen weiß immer einen Rat. Aber er ist sehr stimmungsabhängig und– abergläubisch. Der „Lord“ hat einen Narren an der Bettlerin Anni gefressen. Er ist überzeugt, dass die Äpfel, die ihm die „Gräfin vom Naschmarkt“ verkauft, Glück bringen. Schlag zwölf muss er von der „Apfel-Anni“ seinen Glücksapferl kriegen, sonst ist er saurer als die Gurkerl vom Gurken-Gustl.
ausführliche Beschreibung
Gerade jetzt, wo der „Lord“ Fortuna bitter nötig hat, ist die „Apfel-Anni“ verschwunden. Seine Amour mit der Mizzi Schimek, die als „Fräulein Marion“ in der Marabu-Bar trällert, steht nicht zum besten. Die Mizzi sieht ihn bei seinen windigen Geschäften bald im Häf`n landen, und er hört ihre düsteren Prophezeiungen garnicht gern. Dabei lockt ihn ein lukratives Jobangebot vom Wett-Agenten Johnny Joker weit weg von Wien und seiner Mizzi. Wo steckt die „Apfel-Anni“? Wahrscheinlich schläft sie wieder einmal nach ausgiebigem Alkoholkonsum ihren Rausch aus.

Die bettelarme Glücksbringerin, die einst eine gefeierte Operettensängerin war, hat auch ein Problem. „Apfel-Anni“ hat eine Tochter, die Mary, die sie aus finanziellen Gründen einst weggeben musste. Und ausgerechnet jetzt will Mary mit ihrem künftigen Schwiegerpapa, dem US-Ölbaron Mulligan aus Amerika kommen. Mary ahnt nicht, dass ihre Mutter nicht die pipifeine Gräfin aus dem Hotel Sacher ist, als die sie
sich in ihren Briefen immer ausgibt. Anni will das Glück ihrer Tochter nicht gefährden. Der „Lord“, der ihren Briefverkehr abwickelt, darf auf keinen Fall Wien verlassen. Und schnell muss eine adelige Familie her und ein Palais. Die „Unteren Zehntausend“ vom Naschmarkt müssen einspringen. Aus der Anni wird eine feine Lady, die souverän übers Parkett schwebt, mit Ausrutschern versteht sich. Ihre aufgeputzten Kollegen stehen als Schicki-Micki-Gesellschaft zur Seite. Die Show für die „Amis“ kann beginnen. Natürlich sind bis zum happy-end einige Pannen vorprogrammiert. Es lebe der Wiener Schmäh!

Marcus Strahl holt in seinem rauschenden Austro-Pop-Musical den bunten Wiener Naschmarkt in die upper class. Reich und arm prallen aufeinander. Die Originalität der einfachen Leute besticht im gesellschaftlichen Zweikampf. Und bei aller Komik und Tragik in wechselseitiger Wirkung gibt die Komödie den Ton an.
6D 11H
Doppelbesetzungen möglich
Komödie, mit Musik

Credits

Musikalische Komödie von Marcus Strahl nach dem Libretto „Die Gräfin vom Naschmarkt“ von Kurt Nachmann, basierend auf der Kurzgeschichte „Madame La Gimp” von Damon Runyon