Nicolaus Hagg begibt sich in die Tage vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Die historischen Ereignisse sind bekannt. Trotzdem keimt in den spekulativen Szenen die Hoffnung auf, dass alles anders hätte kommen können. Doch die Fäden wurden gezogen, und die Figuren erfüllten ihre Rollen. In parallelen Szenen zwischen Belgrad, Sarajewo und Wien steuert alles dorthin, was uns die Geschichtsbücher bis heute lehren. Und doch stellt sich ein Gefühl von „was wäre wenn“ ein. Die übergangenen Warnungen an den Thronfolger,
aber auch die Zweifel der Attentäter erzeugen eine emotionale Spannung, die bekannte Kriegsbilder in Schwarz-Weiß in Farbe taucht. Zwei Wege in den Untergang: Als könnte man Franz Ferdinand und Sophie aufhalten, in den Wagen zu steigen, als könnte man Gavrilo Princip überreden, nicht zu schießen. Als könnte man die Geschichte umschreiben.
ausführliche Beschreibung
1917 an der Kriegsfront: Oberst Dimitrijevic, genannt Apis, „Herz und Kopf“ der Schwarzen Hand, und Major Vulovic warten auf ihre Exekution durch ein serbisches Erschießungskommando. Sie sind selbst zu Opfern geworden. Ob ihnen die Geschichte einen Orden verleihen wird? Nach dem Tod des Kaisers ist es eine Frage der Zeit, wie lange sich die österreichische Armee noch halten kann. Werden die Slawen ihre Ziele erreichen, derentwegen dieser Krieg heraufbeschworen wurde? Und wenn ja, um welchen Preis?
Juni 1914: Auf Schloss Schönbrunn knallen die Champagnerkorken. Erzherzogin Maria-Therese berät sich mit Feldmarschall Conrad von Hötzendorf. Erzherzog Franz Ferdinand soll in zwei Tagen mit seiner Gattin Sophie zu den Manövern nach Sarajewo reisen. Der angekündigte Besuch just am 28. Juni, dem St.Veitstag, der für die Serben nach der Schlacht am Amselfeld für ihren jahrhundertelangen Befreiungskampf steht, wird als Provokation empfunden. Ein Großteil der Bevölkerung Bosniens ist serbisch. Botschafter Jovanovic warnt den Fürsten Montenuovo vergebens in Wien. Auch Erzherzogin Marie-Therese weiß um den Hass der Serben auf Österreich und die lauernde Gefahr für das Haus Habsburg. Die Ermor- dung Franz Ferdinands ist für die serbischen Nationalisten beschlossene Sache. Und von
Wien aus tut man aus verschiedenen ideologischen Interessen wenig, um das zu verhindern.
Belgrad: Die jungen Studenten Princip, Cabrinovic und Ilic warten auf Befehle von „oben“. Major Vulovic lehnt die drei „halben Kinder“ für diese heikle Mission ab. Apis, Chef der Schwarzen Hand, will sie genau dafür einsetzen. Sie haben nichts zu verlieren, sie wollen handeln, nicht nur träumen. Die Gelegenheit, den Thronfolger so schnell aus dem Weg zu
räumen und sich durch einen Krieg von der österreichisch-ungarischen Herrschaft und dem Joch des „alten Mannes in Wien“ zu befreien, darf nicht ungenützt vorübergehen. Aus den „halben Kindern“ sollen im Eilverfahren gewaltbereite Männer gemacht werden. Unterdessen beruhigt man in Wien einander, der Thronfolger ignoriert alle Warnungen. Eine
große Zahl von Truppen wird zu seiner Sicherheit nach Bosnien verlegt. Doch das Protokoll erlaubt den ultimativen Schutz durch das Militär nur für den Thronfolger, nicht für dessen Gattin, der Herzogin Sophie von Hohenberg. Dieser gefährliche Umstand ist ganz im Interesse jener, die einen Krieg am Balkan anstreben. Der Tag rückt näher. Die Schüsse fallen.