Spion Oberst Redl

Nicolaus Hagg

"Wenn man immer weiß, dass man sterben muss fürs Vaterland, dann stirbt man vielleicht schon vor der Zeit."
Der Aufstieg und Fall des Alfred Redl aus Lemberg, Sohn eines einfachen Stationsvorstehers der k&k Bahn, war rasant: In seiner Spitzenposition im militärischen Nachrichtendienst, der mit der weitverzweigten Spionage befasst war, verriet er die Staatsgeheimnisse der Monarchie an die Russen. Nach seiner Entlarvung erschoss er sich am Vorabend des Ersten Weltkrieges.

Nicolaus Hagg gelang mit seinem Theaterstück über die schillernde Figur der untergehenden Monarchie ein Sensationserfolg bei den Festspielen in Reichenau.
ausführliche Beschreibung
Nicolaus Hagg geht über den historischen Verlauf der Geschichte hinaus. Er macht Franz Ferdinand zum Drahtzieher des Geschehens und Redl zum Täter und Opfer. Redl war durch seine Homosexualität erpressbar. Die geheime Affäre mit dem jungen Leutnant Horinka trieb den Protegé Franz Ferdinands in ein immer engeres Netz von Abhängigkeiten. Zerrissen zwischen Emotionen und Pflichten kämpft Redl zuerst um seinen Aufstieg, dann um seine Existenz. In klarer Dramaturgie läuft die Geschichte mit einem kleinen Ensemble ab und vertieft die historischen Tatsachen durch spekulative Interpretationen.

Der Verrat österreichischer Aufmarschpläne an die Russen sollte einen Krieg unmöglich machen. Dass Franz Ferdinand im Gegensatz zum engen Stab rund um Kaiser Franz Joseph jenen Krieg verhindern wollte, ist der Schlüssel zu Haggs Interpretation der auch durch Verfilmungen bekannten Geschichte. Auch dass die Liebebeziehung mit Horinka, der den alten, ihm hörigen Redl finanziell ausbeutet, von oben gelenkt war, ist Teil der Dramaturgie. Teils erfundene Figuren, wie etwa die schillernde Figur der Fürstin Worowka, verdichten die Handlung und bringen das Geschehen auf den Punkt.

Nicolaus Hagg hat sich literarisch ein Jahrhundert zurückgebeamt und ist in die Atmosphäre des untergehenden Kaiserreichs getaucht. Es scheint, als hätte er mit Schnitzler und Hofmannsthal im Kaffeehaus über sein Stück geplaudert. Hagg konzentriert sich bei der Figur des unglücklichen Karrieristen auf dessen Zwiespältigkeit. Ein Mensch, der sich beruflich wie privat immer bedeckt halten musste und keine Liebe kannte.
„[Ein] stringenter, kantiger Spionagethriller […], der detailgetreu
und gut recherchiert) von der Ausgehöhltheit des Vaterlandes ebenso zu erzählen weiß wie vom privaten Kampf eines bedroh- ten Individuums. […] Bis zum Schluss spannend“! DER STANDARD, Margarete Affenzelle
10 Darst.
Schauspiel
UA: 07.07.2011, Festspiele Reichenau
Frei zur: DEA, SEA