Anna Karenina

Bühnenfassung von Niolaus Hagg nach dem gleichnamigen Roman von Leo Tolstoi

Nicolaus Hagg / Leo Tolstoi

"Alle glücklichen Familien gleichen einander irgendwie, nur die unglücklichen sind auf ihre ganz besondere Weise unglücklich."
Nicolaus Hagg hat eine packende Bühnenversion nach Tolstois Jahrhundertwerk erarbeitet. Mit 11 Personen wird die berühmte Liaison zwischen Anna und Wronskij in einer knappen Szenenfolge erzählt. Auch die anderen Figuren haben ein starkes Gewicht und untermauern die unglückliche Liebesgeschichte. Da ist Dolly, die als mehrfache Mutter den Kompromiss der betrogenen Ehefrau lebt, da sind Kitty und Lewin, die erst über viele Hürden zueinanderfinden und deren Liebe vielleicht die größten Überlebenschancen hat. Vor dem Hintergrund des zaristischen Russlands und der Bauernbefreiung werden die Geschichten dreier Ehen aufgerollt. Eine, die auf Umwegen entsteht, eine, die allen Umständen zum Trotz bestehen bleibt und eine, die zerbricht.
ausführliche Beschreibung
Dass die notorische Untreue ihres Bruders Stiwa zum Verhängnis ihrer eigenen Ehe wird, ahnt Anna Karenina nicht, als sie in den Zug von Petersburg nach Moskau steigt. Stiwa hat seine Schwester als Vermittlerin zwischen ihm und seiner betrogenen Ehefrau Dolly zu sich gerufen. Anna soll Dolly besänftigen und eine Scheidung verhindern. Am Bahnhof von Moskau begegnet Anna Graf Alexej Kirillowitsch Wronskij und spürt mit einem Schlag das, was sie in ihrer Ehe vermisst: Leidenschaft. Die Wogen im Hause Stiwas glätten sich dank Annas Diplomatie und weiblicher Überzeugungskunst. Dolly vergibt ihrem flatterhaften Ehemann, weil sie ihn nun einmal so liebt, wie er ist und nicht wie sie ihn sich wünscht. Doch ihre Schwägerin Anna, die eben noch an die Stärke der Frauen appellierte, um die Schwächen der untreuen Männer zu verzeihen, verliert sich selbst in einem Rausch der Gefühle und vergisst ihre Stellung als Ehefrau und Mutter.

Nach dem ersten Wiedersehen bei einem Ball gibt es kein Zurück mehr. Anna und Wronskij stürzen sich in eine Affäre, die nicht lange verborgen bleibt. Auf beiden Seiten gibt es Menschen, die sie verletzen: Dollys Schwester Kitty, die ebenfalls in Wronskij verliebt ist und seinetwegen den jungen Gutsbesitzer Lewin zurückgewiesen hat, und Annas Ehemann Karenin, der in Petersburg von der Liaison seiner Frau Wind bekommt. Kitty flüchtet sich in Krankheit, der hohe Staatsbeamte Karenin klammert sich an seine gesellschaftliche Position und zieht die Fäden um seine untreue Frau immer enger. Dass er emotional auf der Verliererseite steht, macht seine Strategie umso armseliger. Ein zermürbender Kampf beginnt, bei dem kein Sieger hervorgehen kann.

Wronskij folgt Anna nach Petersburg. Anna wünscht die Scheidung, doch der betrogene Karenin pocht auf die Wahrung der Fassade und droht mit dem Entzug des gemeinsamen Sohnes Serjoscha. Anna ist zerrissen zwischen der Liebe zu Wronskij und ihrem Kind. Eine Liebe zu zwei Menschen, die ihr eigenes Glück ausschließt. Als sie eine Tochter von Wronskij bekommt, spitzt sich die Lage zu. Wronskij drängt auf eine Entscheidung. Doch Karenin kann sich nicht aus seiner Starrheit lösen und verzögert die gesetzliche Trennung. Anna zerbricht an der ausweglosen Situation und wirft sich in letzter Verzweiflung vor den Zug.
11 Darst.
Schauspiel
UA: 07.07.2012, Festspiele Reichenau
Frei zur: DEA, SEA