Adaption des Romans von Franz Werfel über Österreich vor dem Anschluss
„Na und? Dieser ganze Nationalismus ist doch nur Futter für die misera plebs, ein Bindemittel für die Massen. Die Gescheiten in der Bewegung wissen das. Du darfst sie nicht unterschätzen, Bodenheim, sie haben Größe.“
Anhand des Schicksals der Familie Bodenheim zeichnet Werfel in seinem Roman „Cella oder die Überwinder“ die Zeit bis zum Einmarsch der Nationalsozialisten nach.
Nicolaus Hagg hat eine griffige Bühnenfassung mit klug-pointierten Dialogen geschaffen. In spannenden und berührenden Szenen werden die politischen Ereignisse vor dem Anschluss geschildert. Hagg gelingt es geschichtliche Fakten mit menschlichen Schicksalen geschickt zu verbinden und Werfels Roman in eine zeitlose Warnung zu verwandeln.
ausführliche Beschreibung
Die Titelfigur, die vierzehnjährige Cella Bodenheim, ein Klavierwunderkind, tritt in Nicolaus Haggs Fassung nie physisch auf und ist dennoch, vor allem auch durch ihr Klavierspiel, stets präsenter Dreh- und Angelpunkt des Stückes. Auf Initiative von Zoltan Nagy, einem langjährigen Freund der Familie, soll sie bei einer musikalischen Akademie im Schloss Esterhazy das erste Mal öffentlich auftreten. Das Konzert ist für den 12. März 1938 geplant.
Die politische Lage in Österreich verschärft sich, auch wenn Cellas Vater, der jüdische Provinzanwalt Hans Bodenheim, vorerst die Augen verschließt. Bodenheims Frau, Gretl, eine Christin, versucht ihn ebenso zu warnen wie Professor Scherba, der Klavierlehrer der Tochter. Erst ein Gespräch mit dem jüdischen Industriellen Weil nach einem Zusammenstoß mit „Weißstrümpfen“ öffnet ihm endlich die Augen.
Bodenheim, im Ersten Weltkrieg vom Kaiser für seine Tapferkeit ausgezeichnet, ist aktives Mitglied und führender Funktionär des Veteranenvereins „Eisener Ring“. Oberstleutnant Grollmüller, Vorsitzender des Vereins, sieht in der Rückkehr der Habsburgermonarchie die einzige Chance Österreichs Eigenständigkeit zu bewahren. Doch die Nationalsozialisten sind schneller. In der Nacht vor dem Einmarsch der deutschen Truppen wird Bodenheim in Schutzhaft genommen und gefährdet damit auch Frau und Tochter.
Unerwartete Hilfe kommt von Zoltan Nagy. Der Jugendfreund ist längst zu den Nazis übergelaufen. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Kalkül. Durch seine Kontakte nach „ganz oben“ kann er Bodenheim einen Pass verschaffen und die Ausreise nach Paris ermöglichen, wo ihn Cella und Gretl erwarten.