Effie Briest

Bühnenfassung nach dem gleichnamigen Roman von Theodor Fontane

Nicolaus Hagg / Theodor Fontane

"Man steht doch mit den Füßen immer in der Zeit, in die man geboren wurde."
Nicolaus Hagg hat aus dem Fontane-Klassiker eine klare, schlanke Bühnenfassung geschaffen. Sein Gespür, moralische und gesellschaftliche Gegebenheiten der Vergangenheit nicht dem Zeitgeist abgeforderter Aktualisierungen zu unterwerfen, und sie damit ihrer Zeitlosigkeit zu berauben, ist auch hier nicht zu übersehen. Fontanes Roman entstand nach einer wahren Begebenheit. Hagg hält sich an die bekannte Vorlage und frischt sie trotzdem wohltuend auf. Das Frauen- und Sittenbild des 19. Jahrhunderts, in dem eine geschiedene Frau als Mutter rechtlos war, wird schmerzhaft vergegenwärtigt. Und vor allem die Tragödie, gegen das eigene Gefühl zu handeln und sich Konventionen zu beugen, ist heute wie damals Stoff für spannendes Theater.
ausführliche Beschreibung
Wohlbehütet wächst Effie Briest im angesehenen Elternhaus in Hohen-Cremmen auf. Als Baron von Instetten, ein Jugendschwarm der Mutter, um Effies Hand anhält, willigt die Tochter in die Heirat ein. Instetten ist Landrat von Kessin und steht unter Fürst von Bismarcks Gunst. Die Mutter forciert den Schwiegersohn, der Vater hat angesichts Effies Naturell begründete Bedenken. Instettens Fundament ist Ordnung und Respekt vor der Obrigkeit. Das Naturkind Effie hingegen ist übermütig, lebenshungrig, aber auch ehrgeizig. Die Karriere ihres weit älteren Gatten ist ihr durchaus wichtig. Gerne übernimmt sie die Rolle der bewundernden Frau hinter dem erfolgreichen Mann. Und sie ist dem introvertierten Instetten, dessen Charakter und Wesen sie erkennt, ehrlich zugetan. Dass es sich dabei um Wertschätzung und nicht um Liebe handelt, ist ihr nicht bewusst. Noch nicht. Die Geburt der kleinen Annie scheint das häusliche Glück perfekt zu machen. Roswitha, eine Bedienstete aus dem Ort, wird als Kindermädchen ins Haus geholt und zur Vertrauten der jungen Baronin. Sie spürt als erste die Gefahr, die der junge Major von Crampas, der eines Tages als Gast ins Haus schneit, für die heile Welt der Instettens bedeutet. Crampas ist unerschrocken und leichtsinnig wie Effie. Für ihn empfindet sie das, was sie für Instetten nicht kann. Glück und Unglück sind nicht mehr aufzuhalten. Eine leidenschaftliche Affäre kommt in Gang, während Instetten ahnungslos seinen Geschäften nachgeht.

Mit seinem Aufstieg zum Ministerialrat und dem Umzug nach Berlin findet Effies außereheliches Verhältnis ein Ende. Instetten steigt die Karriereleiter rasant hinauf, seine junge Frau genießt Erfolg und Ansehen. Sechs Jahre vergehen, Annie wächst heran, das Familienleben gestaltet sich harmonisch. Als Effie mit ihrer Mutter auf Kur geht, stößt Instetten zufällig auf Briefe. Ihr Inhalt sagt alles. Instetten ist getroffen, innerlich aber bereit, seiner Frau, die er nach wie vor liebt, zu verzeihen. Doch seine Forderung zur Satisfaktion ist bereits ausgesprochen. Sein Vorgesetzter Herr von Wüllersdorf soll ihm als Sekundant zur Verfügung stehen. Er kann nicht mehr aus seiner Haut, obwohl ihm selbst von Wüllersdorf ins Gewissen redet, die Sache auf sich beruhen zu lassen und absolutes Stillschweigen seinerseits garantiert. Instetten tötet Crampas beim Duell. Effie wird verstoßen, das Kind wird ihr entzogen. Auch die Eltern brechen mit ihr. Auf Initiative ihres Vaters kehrt Effie, krank und gebrochen, zu ihnen zurück. Bei einem Besuch Annies nach drei Jahren spürt Effie die Distanz ihres eigenen Kindes. Sie stirbt. Instettens Leben ist trotz seiner Ernennung zum Ministerialdirektor zerstört. Zurück bleiben die Schuldgefühle aller Hinterbliebenen. Roswitha legt Blumen auf das Grab ihrer Herrin und Freundin.
Schauspiel
UA: 03.07.2014, Festspiele Reichenau
Frei zur: DEA, SEA