Eine blassblaue Frauenschrift

Bühnenfassung nach der gleichnamigen Erzählung von Franz Werfel

Nicolaus Hagg / Franz Werfel

Die Geschichte einer verratenen Liebe, das Psychogramm eines Opportunisten, ein Dokument über den latenten Antisemitismus
"Schau dich um: Wie lange kann sich Österreich noch halten? Wie lange will sich Österreich noch halten?"
Wien 1936. Ein Brief in blassblauer Frauenschrift bringt die Welt des ebenso erfolgreichen wie wandelbaren Opportunisten Leonidas ins Wanken. Vera Wormser, seine Geliebte aus längst vergangenen Tagen, bittet ihn um Hilfe für einen jungen Mann, der Deutschland verlassen musste. Hat Leonidas einen Sohn? Mit einer Jüdin? Was bedeutet das für seine Ehe und für seine Karriere auf dem politischen Parkett?
ausführliche Beschreibung
Österreich steuert auf seine Ende zu. Noch wird „rot-weiß-rote“ Souveränität vorgegaukelt, doch unter den Revers sind schon die Hakenkreuze versteckt. Nachbesetzungen wichtiger Posten sind längst keine Frage der Qualifikation mehr, sondern richten sich nach dem „was man in Berlin davon hält“. Und so mancher wird plötzlich mit seiner Vergangenheit konfrontiert, wie Leonidas Tachey. Der Sohn eines Gymnasialprofessors der untersten Gehaltsstufe ist durch seine Heirat mit der Fabrikantentochter Amelie Paradini in die Wiener Gesellschaft aufgestiegen und gehört seit seiner Ernennung zum Sektionschef nun auch zur politischen Elite des Landes. Unter den zahlreichen Glückwunschkarten zu seinem fünfzigsten Geburtstag befindet sich auch ein Brief in blassblauer Frauenschrift. Er ist von Vera Wormser. Vor achtzehn Jahren hatten sie eine kurze, aber heftige Affäre, als Leonidas bereits verheiratet war. Er hatte Vera eine mögliche gemeinsame Zukunft vorgespielt und sie aus Karrieregründen verlassen. Nun bittet Vera Leonidas um Protektion für einen jungen Mann, der in Deutschland aus den „allgemein bekannten Gründen“ die Schule nicht mehr besuchen kann und nun in Wien seinen Abschluss machen möchte. Für Leonidas wird klar, er hat einen Sohn; mit einer Jüdin. Mit dem Brief in blassblauer Frauenschrift wird Leonidas von seiner Lebenslüge eingeholt. Was bedeutet das für seine Ehe und für seine Karriere?

Nicolaus Haggs Bühnenfassung beschäftigt sich intensiv mit der „österreichischen Seele“. Das Zwischenmenschliche steht ebenso im Fokus wie das Politische und beweist eindrucksvoll, dass Werfels Erzählung zeitlos ist.
2D 4H
Schauspiel
UA: 01.07.2019, Festspiele Reichenau
Frei zur: DEA, SEA