Nicolaus Hagg siedelt das Stück im Gegensatz zu Doderers Roman, der mit dem Brand des Justizpalastes 1927 endet, im Wien des Jahres 1945 an und lässt die Gesellschaft einer zerbrochenen Welt wiederkehren: Sektionsrat Geyrenhoff, ein Überlebender wider Willen, Grete Siebenschein, ihre Verlobter René Stangeler, die Geschwister Schlaggenberg, die außergewöhnliche Mary K., ihre Tochter Trix, „Quapp“ und viele andere. In der Erinnerung bewegen sie sich in einer Welt, die es nicht mehr gibt.
ausführliche Beschreibung
Die „Dämonen“ von Heimito von Doderer sind eine Geschichte, an deren Anfang die Welt schon nicht mehr heil ist und an deren Ende die Welt sich auflöst. Die „Welt“ ist in diesem Fall Wien, ein waidwundes Wien nach dem Ersten Weltkrieg.
Rückgrat der Geschichte bildet die „Chronik des Herrn von Geyrenhoff“. Er zeichnet ein Bild von Menschen, die mit großer Anstrengung und Verzweiflung, aber auch mit einer gehörigen Portion österreichischen Humor versuchen, nach den traumatisierenden Erlebnissen des Ersten Weltkriegs wieder zurückzufinden, in das, was von ihrem Leben übriggeblieben ist.
Im Unterschied zum Roman beginnt das Stück im Winter 1945 in einem armseligen Wiener Kaffeehaus. Dort sitzt Sektionsrat Geyrenhoff, ein Überlebender wider Willen. Er blättert in den Papieren seiner Chronik und beginnt zu lesen. Gleichzeitig erscheinen Figuren aus seinem Gedächtnis auf der Bühne, zunächst nur im Dunkeln. Wie eine reale Figur gesellt sich plötzlich „Quapp“ zu Geyrenhoff, und in der Phantasie der beiden wird es wieder wie früher.
Das Kaffeehaus verwandelt sich in verschiedene Schauplätze, und der Zuschauer lernt die „Unsrigen“ kennen und begleitet sie durch dieses für alle so entscheidende Jahr: Grete Siebenschein und ihren Vater Dr. Ferry Siebenschein, ihren Verlobten René Stangeler, die Geschwister Schlaggenberg, die eigentlich gar nicht verwandt sind, die außergewöhnliche Mary K. und ihre Tochter Trix, den eifrigen Arbeiter Leonhard Kakabsa, die reiche Witwe Friederike Ruthmayr, die ungarischen Herren Imre von Gyurkicz und Geza von Orkay, den Wachtmeister Gach - aber auch die „Bösen“ wie den Kammerrat Levielle und Cornel Lasch. Es ist die vielfältige wie einfache Geschichte dieser Menschen vor einem komplizierten historischen Hintergrund. Eine sehr österreichische Geschichte.
Es ist das Jahr vor dem Brand des Justizpalastes am 15. Juli 1927. Mit diesem Inferno in der Inneren Stadt endet die Geschichte Doderers. In diesem Ereignis erkennt Doderer den Anfang vom Ende. Die 86 Toten, die dieser Tag auf beiden Seiten - bei den Demonstranten, aber auch bei der Polizei - fordert, markieren für Doderer die ersten Toten des nachfolgenden Weltbrandes. An diesem Tag stirbt eine Welt, auch wenn sie noch einige Jahre in Äußerlichkeiten vor sich hinvegetiert.
Die einzelnen Figuren weben sich ineinander, sind oder werden ineinander verknüpft - ob sie es wollen oder nicht. Am Ende der Geschichte stehen vier Paare, Liebespaare, oder solche, die es zu werden vorhaben: Geyrenhoff und Friederike Ruthmayr, Mary K. und Leonhard Kakabsa, René Stangeler und Grete Siebenschein, „Quapp“ und Geza von Orkay.