Anna und Anna

Ein Filmdrehbuch, vom Wiener Burgtheater für die Bühne eingerichtet

Hilde Spiel

Wien im Nationalsozialismus – von außen und von innen betrachtet
Wien 1938, Anschluss. Die junge Wienerin Anna ist entsetzt über die Geschehnisse, sie erwägt die Emigration und kann sich doch nicht dazu entschließen. Vielmehr: sie spaltet sich in zwei Wesen. Anna eins bleibt dahim in Wien und versucht so gut es geht dem Regime zu widerstehen. Nur knapp entgeht sie den Gefahren einer Verwicklung in den Widerstand. Anna zwei geht nach London, wo sie nach einer schweren Zeit als Haushälterin endlich beim Österreichdienst von der BBC unterkommt. Dort spricht sie jene Meldungen in den Äther, die ihr daheimgebliebenes Ich begierig abhört. Nach Kriegsende kehrt die Emigrantin, die nun keine mehr ist, nach Wien zurück. Die beiden Frauen verschmelzen wieder zu einer Figur.
„Was Hilde Spiels Text so großartig macht, ist die völlige Absenz einer moralischen Bewertung ihrer beiden Figuren. In beiden stecken Zweifel und Selbstanklage, in beiden schlummert der Wunsch nach Geborgenheit und Liebe in einer Zeit, die nur Flüchtiges zu geben bereit ist.“
Salzburger Nachrichten
„Es ist ein kluger Text mit gescheit hingesetzten, von Temperament und innerer Spannung getragenen Dialogen.“
FAZ
5D 10H
Schauspiel
UA: April 1988, Burgtheater/Vestibül