Theo wird alt

Raoul Biltgen

Ausgrenzung der Alten, Ausbeutung der Migranten, eine Gesellschaft, die sich die Hände in Unschuld wäscht.
"Dass ich hier mit einer Ausländerin sitze, die mich besser versteht, als meine Familie es je getan hätte...!
Theo wird von seiner Familie in eine kleine Wohnung zwangsumgesiedelt. Sein Schwiegersohn organisiert eine billige 24-Stundenhilfe. Vor dem Flüchtlingsheim spricht er die junge Afif an und holt sie zu Theo. Dass Afif wie Theo nichts redet, heißt nicht, dass sie nichts versteht. Und es heißt auch nicht, dass sie eine Geflüchtete ist. Die Psychologin Sophie greift ein und verhilft Afif zu einem gültigen Vertrag. Doch dann verschwindet Afif.
ausführliche Beschreibung
Theo muss nach einem Krankenhausaufenthalt in eine kleine Wohnung übersiedeln. Das Haus war nach Meinung seiner Tochter Anja zu groß und wurde verkauft. Seit dem Tod der Mutter entscheiden Anja und ihr Mann Georg alles über Theos Kopf hinweg. Gefragt wird
er nicht. Für seine Modelleisenbahn ist hier kein Platz. Nicht einmal sein geliebtes Sofa durfte er mitnehmen. Dafür hat er eine Spülmaschine, die er nicht will. Theo redet kein Wort mehr, er verweigert jede Antwort. Anja befürchtet das Schlimmste und möchte den Vater sofort in ein Heim stecken.

Die Psychologin Sophie Kaiser, eine ehemalige Schulkollegin von Theos Enkel Paul, schließt kognitive Störungen aus. Körperlich sei Theo, bis auf seine Hüfte, topfit. Mit ein wenig Unterstützung seitens der Familie könne er durchaus alleine wohnen. Das riecht nach unangenehmer Arbeit. Schnell muss eine 24-Stunden-Hilfe organisiert werden. Aber natürlich soll sie wenig kosten. Georg macht sich auf die Suche. Vor einem Flüchtlingsheim redet er die vermeintlich Asylsuchende Afif an. Er bringt sie zu Theo.

Afif ist so stumm wie Theo. Dass sie alles versteht, ahnt niemand. Afif ist nicht aus Syrien oder Afghanistan, wie Georg annimmt, sondern sie ist hier geboren. Ihre Eltern stammen aus Ex-Jugoslawien. Sie ist zwar kein Flüchtling, aber sie weiß, wie sich Ablehnung anfühlt. Afif hat nur Arbeit gesucht. Sie wollte sich im Flüchtlingsheim bewerben. Sie braucht Geld für ihr Kind, das sie nach einer Vergewaltigung bekommen hat. Georg hielt sie irrtümlicherweise für eine Bewohnerin des Heims.

Der ehemalige Ausländerhasser Theo und Afif schließen eine stumme Partnerschaft. Sowohl von Georg als auch von Paul wird Afif bedrängt. Paul tut es aus gekränkter Eitelkeit, weil Sophie ihn wie in Schulzeiten abblitzen lässt, Georg aus Machtgefühlen. Theo bricht sein Schweigen. Als Sophie Kaiser Afif in Theos Wohnung entdeckt, greift sie ordentlich durch. Sie erfährt von Afifs wahrer Identität, kümmert sich um ihre Angelegenheiten und zwingt Anja und Georg zu einem offiziellen Vertrag für „Afif“ als Heimhilfe. Doch „Afif“ verschwindet. Und Theo soll endgültig ins Altenheim. Doch das weiß „Afif“ zu verhindern…
3D 3H
Schauspiel
UA: Oktober 2017, dentheater.lu, Luxemburg