Wie's wohl wär, dies Glück

Peter Limburg

Dinner zu viert – zwei Paare, ein Tisch, unzählige Konflikte. Zwischen Gourmet-Menü, Eitelkeiten und politischen Korrekturen kippt die Stimmung rasch vom gepflegten Smalltalk zur handfesten Beziehungsschlacht. Man prahlt nicht nur mit
materiellen Errungenschaften, sondern stellt auch das eheliche Glück penetrant zur Schau. Jeder
verdrängt die eigenen Defizite, will sie beim anderen aber schonungslos offenlegen. Dabei stolpert
man natürlich schon bei der Definition: Was ist Glück? Ist das Glück des einen auch das des anderen? Eine tiefe Beziehungskomödie auf höchstem Vierkampfniveau.
ausführliche Beschreibung
Detlef und Sigrid laden Patrick und Sarah zum Abendessen ein. Beim Elternabend haben sie einander kennengelernt und sofort die gleiche Wellenlänge zu spüren vermeint. Die Söhne George und Kamreen sind im Zeltlager, eine gute Gelegenheit, einander besser kennenzulernen. Als die Gäste eintreffen, lässt die Harmonie aber auf sich warten.

Detlef kocht so gut wie alle Spitzenköche der Welt zusammen und fühlt sich trotzdem vom eloquenten Anwalt Patrick von oben herab behandelt. Außer seinem Star Wars Museum und dem zotteligen Chewbacca-Kostüm hat der Kriminalpolizist auch nicht viel zu bieten. Patricks Frau Sarah kämpft gegen Unterdrückung und Ausbeutung von Minderheiten und pocht ununterbrochen auf politische Korrektheit. Sie trägt ihren Überintellekt zur Schau und beschämt damit die nicht so gebildete Sigrid. Die kontert mit dem Privileg der leiblichen Mutterschaft: Ein Seelenglück, das Sarah immer verwehrt bliebe, könne sie doch als Adoptivmutter durch das fehlende Erlebnis von Schwangerschaft und Niederkunft nie diese emotionale Nähe zum Kind empfinden wie die natürlich Gebärende.

Ständig wird das exakt getimte Diner gestört. Anrufe vom Pflegeheim, in dem Detlefs Mutter ihr Unwesen treibt. Hiobsbotschaften vom Zeltlager, aus dem George und Kamreen ausgebüxt sind und beinahe unter eine Dampfwalze gekommen wären. Und Sigrids von ihrem Ehemann verlassene Freundin schreit nach Soforthilfe. Die Gastgeber müssen ihre Gäste kurzfristig alleine lassen, um auswärts die ärgsten Wogen zu glätten. Kaum aus der Haustür, zerfetzen sich Patrick und Sarah das Maul.

Im Laufe des später fortgesetzten Abends geht die Konversation tiefer. Jedes Paar klopft die Ehe des anderen ab und hebt die eigene in den Himmel. Sind sie wirklich alle so glücklich? Warum kämpfen beide Paare so hartnäckig um die Anerkennung der perfekten Beziehung? Kaum ist ein Partner außer Sichtweite, wird der Verbliebene vehement zur Selbstverwirklichung und Beendigung seines unterdrückten Daseins aufgerufen. Höchste Zeit, aus dem Beziehungsdämmerschlaf zu erwachen!

Detlef und Sigrid stellen sich Fragen, deren Antworten sie nie interessiert haben. Auf einmal sollen sie ein Problem haben? Patrick und Sarah zelebrieren ihre transparente, von einem konstruktiv-analytischen Dialoggeist durchwehte Beziehung, und stellen die wunschlos glücklichen Ehespießer permanent in den Schatten. Sarah drängt zum Aufbruch, doch der geizige Anwaltsgatte will das kostenlose Gourmet-Menü bis zum Ende auskosten. Knapp vor dem Dessert kommen Dinge ans Tageslicht, die beider Paare Lebensmuster schwer erschüttern. Da hilft selbst Detlefs Symphonie au Chocolat dans un mer de soleil nicht mehr weiter. Denn zum heiß ersehnten Nachtisch soll es nicht mehr kommen.