Herr Grillparzer fasst sich ein Herz und fährt mit einem Donaudampfer ans Schwarze Meer

Erwin Riess

Erwin Riess unternimmt in seinem episodenhaften Zweipersonenstück eine sensible Annäherung an einen Zerrissenen.
„Ich fürchte den Tod nicht. Ich bin ein österreichischer Dichter.“
Die Vorlage ist historisch, das Stück selbst ist reine Fiktion. Der Autor führt im Rahmen einer feinfühligen Liebesgeschichte eine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit Österreich und zeigt aktuelle Fragen in ihrer historischen Verwurzelung auf. Die Protagonisten der ungewöhnlichen Reisegemeinschaft sind auf der Suche nach neuen Wegen. Beide haben persönliche Lasten im Gepäck, er ringt mit seiner Schreibarbeit, sie kämpft um eine neue Lebensperspektive. Ein ungewöhnlicher Austausch beginnt. Wie weit dieser führt, enthüllt die Reise …
ausführliche Beschreibung
Ende August 1843 unternahm der damals 53-jährige Franz Grillparzer eine Donaureise ans Schwarze Meer. Von dort wollte er nach Konstantinopel, Troja und Athen. Die Reise galt sowohl wegen des damaligen noch sehr niederen Standes der Technik als auch der sehr unsicheren politischen Verhältnisse im Unterlauf der Donau als großes Wagnis.
Grillparzer hat über die Reise ein knappes Tagebuch geführt. Die Frage, warum er dieses Abenteuer auf sich nahm, gilt als offen. Das Stück setzt an diesem Punkt an und erzählt eine Begegnung, die historisch nicht belegt ist, sich aber in dieser Form hätte ereignen können.

Grillparzer ist ein bekannter Dramatiker, die 17-jährige Csilla eine Kammerdienerin vom Land. Er hasst Wien, noch mehr aber jegliche Entfernung aus dieser Stadt. Nachdem Misserfolg von „Weh dem, der lügt“ begibt er sich auf eine Schiffsreise und gerät dabei in den Strom der Gefühle. Griesgrämig hockt Grillparzer in seiner Schiffskabine
und fühlt sich durch die junge Frau anfangs gestört. Doch langsam entspinnt sich zwischen dem Dichter auf der Flucht und der ungarischen Bediensteten, die von zu Hause fortgelaufen ist, eine Beziehung. Csilla erklärt dem seltsamen Reisegefährten zunächst ihr Leben, dann die Liebe.
1D 1H
1 Dek.
Schauspiel
UA: 21.03.2000, dietheater konzerthaus