Eine moderne Liebesgeschichte
„Beide Kulturen sind in mir, aber ich bin immer am falschen Ort, um sie zu leben.“
Die 20-jährige Studentin Yeter schwankt zwischen tiefer Verwurzelung und Loslösung von den Traditionen ihres Elternhauses. Das Stück erzählt vom Versuch der Annäherung zur gleichaltrigen, offen lesbisch lebenden Moira, aufgewachsen in einem konservativen katholischen Elternhaus.

Ronzoni führt in die emotionale Kampfzone zweier Kulturen und verknüpft Integration, Religiosität und gleichgeschlechtliche Liebe zu einer modernen Geschichte.
ausführliche Beschreibung
Yeter ist die jüngste Tochter türkischer Einwanderer und lebt in Wien oder einer vergleichbaren deutschen Großstadt. Sie studiert Jura und möchte Richterin werden. Obwohl sie von ihrem traditionsbewussten Vater streng muslimisch erzogen wird, hat sie sich von der Lebens- und Denkweise ihrer Eltern entfernt. An der Uni lernt sie Moira kennen, eine unkonventionelle, sich offen als Lesbe bekennende Frau. Zwischen den beiden Außenseiterinnen entspinnt sich eine leidenschaftliche Liebesbeziehung. Yeter trennt sich von ihrem türkischen Verlobten Ercan und sucht nach neuen Perspektiven. Yeter und Moira gehören Minderheiten an. Das verbindet sie und trennt sie auch wieder. Muslimische Werte kollidieren mit oberflächlich gepflegter katholischer Tradition, konventionelle Familienstrukturen stehen im Widerspruch zu liberalen Lebensformen. Yeter ist tiefer in ihrer Kultur verwurzelt, als ihr bewusst ist. Sie kann sich nicht an ihre Freundin binden. Die kurze Affaire endet mit dem Selbstmord Moiras.

„Die Idee zu dem Bühnenstück ‚Yeter‘ entstand vor vier Jahren [2002] in London. Im Rahmen der ‚Playwright Summerschool‘ am Royal Court Theatre lernte ich die Dramatikerin Sarah Kane kennen. Sie durchlebte zu dieser Zeit eine schwierige Liebesgeschichte mit einer deutsch-jüdischen Frau. Einige Monate später nahm sich Sarah das Leben. Ob diese Liebesgeschichte Auslöser war, teilweise dazu beigetragen hat oder völlig losgelöst von ihrem Selbstmord zu sehen ist, kann und will ich nicht beantworten. Der Gedanke an ein Stück über die Unmöglichkeit einer Liebe zwischen zwei Frauen in zwei patriarchalischen Gesellschaften mit ausgeprägten Traditionswerten ließ mich nicht mehr los.“ (Michaela Ronzoni)
„Ein realistisches und lebensnahes Stück; ein Thema, das viele betrifft und anspricht … Von der ersten bis zur letzten Minute eine stimmungsvolle Aufführung mit fließenden Grenzen zwischen Tragik und Komik. Eine moderne Liebesgeschichte, in der ein Happy End genauso unmöglich scheint wie in der Geschichte von Romeo und Julia.“ (Isabelle Bene, stimme. Zeitschrift der Initiative Minderheiten, 2002) „Ronzoni gelang hier eine moderne Liebesgeschichte, die Tabus nicht ausschlachtet, sondern mit einer gesundern Portion Humor versieht.“
Die Presse, 10. Mai 2002
„Michaela Ronzoni ist ein modernes ‚Romeo und Julia‘-Spiel gelungen, das in die emotionale Kampfzone zweier Kulturen führt.“
Neue Kronen Zeitung, 10. Mai 2002
3D 1H
1 Dek.
Jugend
UA: 06.05.2002, Theater Drachengasse, Wien