Späte Worte

Michaela Ronzoni

Wien; 1929. Arthur Schnitzler ist Mitte 60, schwerhörig, sein Leben ist beschwerlich geworden. Pollak, seine Sekretärin ist ihm seit Jahrzehnten treu ergeben, kennt sein Leben, was seine Vor- und Nachteile hat. Sie weiß, dass ihn der Tod seiner einzigen Tochter tief getroffen hat und er sich die Wahrheit nicht eingestehen will: Sie hat sich umgebracht. Schnitzler bekommt Besuch, Hugo von Hoffmannsthal, 10 Jahre jünger, kommt aufgewühlt zum Dichterkollegen, gerade vom Begräbnis seines Sohnes , der durch Selbstmord geendet hat. Er ist überzeugt, dass er bei Schnitzler Mitgefühl und Verständnis finden wird, verbindet sie doch das unendliche Leid der Väter. Aber Arthur Schnitzler zeigt keine Anteilnahme, kein Verständnis, er kann nicht anders handeln, weil sonst sein eigenes diffizil aufgebautes Verteidigungsgerüst zusammenbrechen würde.
Der Besuch seiner französischen jungen schönen Übersetzerin Suzanne bleibt eine Episode. Die persönliche Tragödie wird ihm nie mehr freigeben.
„so knapp, so klirrend kalt, so messerscharf geschrieben“
Der Standard, 15. Jänner 2000
„zeitloses Konversationstück über männliche Gefühlsarmut“
Berliner Morgenpost, 17. Jänner 2000
„Mit viel Gespür näher sich Ronzoni den beiden Ikonen der Dichtung an, macht aus Idolen simple Väter.“
Peter Jarolin, Kurier, 17. Jänner 2000
2D 2H
Schauspiel
UA: 15.01.2000, Gruppe 80, Wien, Regie: Helmut Wiesner