Margarete von Navarra

(Navarrai Margit)

Ladislaus Fodor

Eine Hochzeit, die große Politik und der rote Fauteuil der Macht – plötzlich prallen private Sehnsucht und öffentliches Amt ungebremst aufeinander. Zwischen Einsamkeit, Intrigen und der Verlockung der Diplomatie wird aus einer jungen Frau rasch eine Spielerin im Machtgefüge. Am Ende zeigt sich: Regierungen vergehen, doch die Sehnsucht nach Nähe bleibt.
ausführliche Beschreibung
Schlossherr Lionel hat sich unerwartet mit der jungen Präfektentochter Susanne vermählt, die vom Hauptpersonal des feudalen Herrensitzes als „Provinzblume“ diffamiert wird. Allen voran Justin, der Major Domus, ist über den unstandesgemäßen Missgriff seines Herrn zutiefst erschüttert. War es doch bisher so, dass Justin als „lebendes Gewissen“ seines adeligen Dienstgebers fungierte, auf dem der Ruhm einer würdevollen Vergangenheit lastet. Sein Vater war Ministerpräsident und konservativer Parteiführer. Lionel glänzte jedoch bisher durch sein abwechslungsreiches, viel beachtetes Liebesleben. Sein ererbtes Mandat im Oberhaus üb der junge Edelmann nur widerwillig aus.

Als sich das junge Paar zur Hochzeitsnacht zurückziehen will, ereilt den Jungpolitiker der Ruf des Präsidenten, nach dem Rücktritt der Regierung ab sofort den neuen Ministerpräsidenten zu stellen und noch in derselben Nacht ein Kabinett zu bilden. Nacheinander treffen die Partieobermänner im Schloss ein. Lionel ist weit davon entfernt, ein Regierungsprogramm zu haben. Da hilft Susannes kindliche Einfalt: ihre Vision heißt „Kaminfeueridylle für alle Franzosen“. Gerade ein paar Stunden verheiratete, trifft die attraktive junge Frau schon das Schicksal aller Politikergattinen: die Einsamkeit. Lionel hat für die Hochzeitsnacht keine Zeit, Paris und der rote Fauteuil des Regierungschefs rufen.

Susannes erste Nacht im Schloss bleibt dennoch turbulent. Wie eine antike Rachegöttin erscheint die Schauspielerin Margot, den Abschiedsbrief ihres ehemaligen Geliebten Lionels in den Händen, danach der Parteivorsitzende der Sozialisten, erbost, alles immer nur aus dem Radio erfahren zu müssen, dafür umso entzückender von Susanne, deren ländlich-frisches Geblüt ihn ins Wanken bringt.

Sehr schnell lernt Susanne das Savoir-vivre der Pariserinnen, die alle – bis auf die Verheirateten – sehr treu sind und vorgeben, nichts zu verstehen und alles zu verziehen. Bald nur mehr in Regierungskreisen verkehrend, stellt Susanne fest, dass die abgeklärtesten Diplomaten und Rationalisten mondsüchtige Narren, Dichter und Komödianten werden, stellt man nur ein Tête-à-tête in Aussicht.

Da sie die Monaten der Einsamkeit satt hat und Lionel zurückwill, spielt sie dem Sozialistenchef Geheimpapiere zu, auf dass er ihren letzten Mann stürze. Der aber unterzeichnet lieber einen Koalitionsvertrag mit den Linken, als seinen roten Fauteuil einem anderen zu überlassen.

Susanne ist verzweifelt und will zurück zu ihrem Vater. Da erfährt sie vom neuerlichen Sturz der Regierung, Lionel muss seine Demission einreichen. Doch auch sein Nachfolger, der Sozialist, erfreut sich nur wenige Tage des Regierungsvorsitzes – der rote Fauteuil erweist sich als Schleudersitz.
6D 12H
2 Dek.
Schauspiel