Katharine

Lustspiel in einem Akt

Ladislaus Fodor

Ein Geschichtsprofessor lebt zurückgezogen in der Verehrung für Katharina die Große – bis eine gescheiterte Schülerin mit gleichem Namen sein Leben erschüttert. Käthe, voller Zorn und Liebesverzweiflung, prangert die Schrullen ihres Professors an und gesteht ihm zugleich ihre heimliche Liebe. Zwischen Verachtung, Selbstmorddrohung und leidenschaftlichem Bekenntnis entspinnt sich ein aufgeladenes Duell zwischen Lehrer und Schülerin.
ausführliche Beschreibung
Der Geschichtsprofessor Blasius Damlich ist ein 35-jähriger, schlanker, sympathischer, etwas angegrauter Mann, der mit seinem alten Diener Jakob ein zurückgezogenes Leben führt. Seine große, aber unerfüllbare Liebe gehört einer Frau der Vergangenheit. Katharina die Große auf Bildern und Büsten, Regale gefüllt mit Biographien und historischen Arbeiten – das alles vermittelt Blasius Damlich die Illusion, der russischen Zarin nahe zu sein.

Professor Langer, Physiker und Kollege am Gymnasium, nimmt die traditionelle Fünf-Uhr-Tee-Debatte mit seinem Freund zum Anlass, sich für eine Schülerin namens Katharina einzusetzen, die in allen Fächern großartige Leistungen erbracht hat, zum Erstaunen des gesamten Lehrkörpers nur nicht bei Blasius Damlich. Ihre Matura scheiterte ausgerechnet an der Geschichtsprüfung über Katharina die Große.

Blasius west jeden Versuch der Intervention für diese Schülerin heftig von sich. Käthchens Leistung in Geschichte ist und bleibt eine Schande. Mitten ins Gespräch platzt die „Gefallene“ und lädt ihren Frust aus acht Jahren gymnasialer Einengung vor den verblüfften Professoren ab, worauf Professor Langer das Weite sucht. Doch Käthchens Kampfeslust hat erst begonnen. Mit dem Mut einer Verzweifelten, die nichts mehr zu verlieren hat, seziert sie die schrulligen Eigenheiten des Geschichtsprofessors, um kurz darauf stolz ihren baldigen Selbstmord anzukündigen, als wäre dieser ein Sieg über ihr sinnlos gewordenes Leben.

Der Professor befiehlt seiner Schülerin mit aller gebotenen Strenge auf der Stelle nach Hause zu fahren und ihn mit ihrer Impertinenz nicht länger außer Fassung zu bringen, was die Courage der Rasenden noch mehr anheizt. Schließlich holt Käthe zum eigentlichen Tiefschlag aus, indem sie davon spricht, dass er, der all die Jahre nicht bemerkt hätte, dass sie ihn liebt, ihren Körper mit seinen lüsternen Blicken bedeckte.

Käthe hält in ihrem Liebesschmerz einen brillanten Vortrag über Katharina die Große. Ihr vorgegebenes Nichtwissen war nur ein Hilfeschrei, ein Ruf nach Aufmerksamkeit. Nach jeder Zurechtweisung durfte sie sich rühmen, von ihrem unnahbaren Liebsten zumindest wahrgenommen worden zu sein. Und schon schwankt sie zwischen der Möglichkeit, ihrem Leben ein Ende zu setzen oder die achte Klasse zu wiederholen, um ein Jahr länger bei ihrem geliebten Professor zu sein.

Es dämmert dem Historiker, dass die kleine Katharina mehr wert sein könnte, als die Große, die er zeitlebens gehuldigt hat.
1D 3H
1 Dek.
Komödie, Schauspiel