Teufelsstunde

Komödie in drei Akten

Ladislaus Fodor

Ein kultivierter Literaturprofessor verliebt sich in seine junge Sekretärin – doch ein draufgängerischer Assistent ist ihm als Rivale weit überlegen. Getrieben von Sehnsucht nach Jugend unterzieht er sich einer riskanten Verjüngungskur seines Freundes, eines Atomphysikers. Als vermeintlicher Sohn kehrt er zurück, um die Geliebte zu erobern, doch der Pakt mit der Wissenschaft hält nicht, was er verspricht. Am Ende bleibt nur die bittere Erkenntnis, dass wahre Liebe sich nicht verjüngen lässt.
ausführliche Beschreibung
Seit zwanzig Jahren ist der aus Frankreich stammende Literaturprofessor Dr. Paul Vernon in den USA eingebürgert, aber der American way of life wird den angesehenen und distinguierten Philologen wohl nie erfassen. Sein Herz gehört der verträumten Liebesliteratur und der Liebe selbst. Nachbarin Helen, eine Professorenwitwe, stünde gerne zur Verfügung, doch Paul übersieht geflissentlich ihre durch einen Triumph der Kosmetik und Schönheitschirurgie restaurierte lachlustige Fassade.

Ein Mansardenzimmer in Pauls Haus bewohnt der junge Uni-Assistent und Elektroniker Chuck, der als „Mädchen für Alles“ fungiert und am Campus seinem Ruf als „Dreckshengst“ eher nachkommt, als seiner wissenschaftlichen Aufgabe. Chucks neues Objekt der Begierde heißt June, eine hinreißend schöne Literaturstudentin, die – und das ist das Heikle an der Sache – die neue Sekretärin von Dr. Paul Vernon ist. Chuck bleibt nicht verborgen, dass der „Alte“ bereits ein Auge auf June geworfen hat.

Pauls bester Freund und Schachpartner ist der Kernphysiker August Prince, der kurz vor einer weltverändernden Entdeckung steht, die er im Experiment an Ratten bereits erfolgreich ausprobiert hat: eine Verjüngungskur mittels atomarer Bestrahlung. Paul, der nur noch June im Kopf hat, möchte sich als Testperson zur Verfügung stellen – um zwanzig Jahre verjüngt würde er den Flegel Chuck mühelos ausbooten können. August warnt seinen Freund: Die Sehnsucht nach Jugend ist gefährlich, wenn sie auch noch der Eroberung eines Mädchens dienen soll, ist solch ein riskantes Vorhaben ein Pakt mit dem Teufel.

Doch Paul lässt nicht locker, und August, der bereits den Nobelpreis in seinen Händen wähnt, lässt seinem Forscherdrang freien Lauf. Paul verlässt die Spießbürgeridylle der Kleinstadt und kehrt nach fünf Wochen als sein eigener Sohn, atomar verjüngt, zurück. Paul jr. gibt sich als Luftwaffenpilot aus. June ist nicht abgeneigt, den strammen Professorensohn, der seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten scheint, näher kennenzulernen.

Paul jr. schreitet stürmisch-militärisch voran, überrumpelt June und muss schon während der turbulenten Liebesnacht feststellen, dass die Wirkung des Wundermittels nachlässt. Paul erlebt seine Teufelsstunde, in der er um zwanzig Jahre altert. Augusts nukleare Kur wirkt auf Meerschweinchen offensichtlich nachhaltiger. Paul ist am Ende. June aber will nichts mehr von diesem rücksichtslosen Flieger wissen, der eine schwache Stunde schamlos ausgenützt hat. Am liebsten würde sie ihm schreiend verkünden: „Ich habe immer nur deinen Vater geliebt“.
7D 17H
3 Dek.
Komödie, Schauspiel
UA: 1931, Theater in der Josefstadt, Wien
Übersetzung aus dem Ungarischen:
Siegfried Geyer
Bearbeitung: Siegfried Geyer