Talkshow 1933

Und welche Augenfarbe haben Sie?

Petra Piuk

Ausgangspunkt für dieses Stück sind die Protokolle der historischen „Z*-konferenz“ im Jahr 1933 in Oberwart. Damals trafen einander Politiker und Behördenvertreter, um über Maßnahmen im Umgang mit den burgenländischen Roma zu beraten. Petra Piuk macht aus dieser Grundlage einen höchst brisanten und höchst aktuellen Stücktext. Es ist der 15. Jänner 1933. In einem modernen Fernsehstudio diskutieren der Landeshauptmann und der Bezirkshauptmann die „Blauäugigen“-Frage. Wie gefährlich sind die Blauäugigen wirklich und wie kann man sich vor Ihnen schützen?
ausführliche Beschreibung
Es ist der 15. Jänner 1933. Unruhige Zeiten. Stürmische Zeiten. Zeiten der Wirtschaftskrise. Zeiten der Arbeitslosigkeit. Aus Bürgern wurden besorgte Bürger. In einem modernen Fernsehstudio klatscht der Warm-Upper das Publikum für eine Talkshow in Stimmung. Erwartet werden der Landeshauptmann und der Bezirkshauptmann, direkt nach der Blauäugigen-Konferenz. Sind die Blauäugigen wirklich eine Gefahr? Wie soll man mit Ihnen umgehen? Reichen Erziehungsheime? Oder soll man sie auf unbewohnte Inseln im Stillen Ozean deportieren? Vielleicht hat der Politiker aus der Zukunft eine Antwort auf die Frage?

Während die Show läuft, bricht die Realität ein. Vor den Toren des Studios wird demonstriert, einer Demonstrantin gelingt es, bis ins Innere vorzudringen. Jemand wird abgeschoben, die Demo aufgelöst. Ein Schuss fällt, jemand stirbt, jemand anderer verlässt seinen Arbeitsplatz, um sich den Widerständigen anzuschließen … die Show geht weiter und weiter. Was macht die Politik? – Am Ende werden die Quoten besprochen und die Sektkorken knallen.

Petra Piuk nahm das Protokoll der Konferenz als Vorlage für ihren höchst brisanten Stücktext. Im Setting einer Talkshow und unter Verwendung moderner Medien, führt uns Piuk eindringlich vor Augen, wie schnell jeder von uns in den Sog absurder Theorien, menschenverachtender Denkweise gezogen oder zu einem potentiellen Feindbild werden kann.

„Es geht um die Parallelen von 1933 und heute. Bestimmte Gesellschaftsgruppen werden kriminalisiert und verbal entmenschlicht. Die Sätze sind die gleichen, damals und heute, nur die Feindbilder sind andere. Es geht um Angstmache, um gezielte Provokation. Um die Grenze des Sagbaren, die sich immer weiter verschiebt. Stückchenweise. Damit sich die Bevölkerung allmählich an das Gesagte gewöhnt. Und es geht um das Zusammenspiel von bestimmten Politikern und Medien, die beide von Emotionen profitieren. Und um das Publikum der Talkshow, der vergangenen und aktuellen Geschehnisse. Um diejenigen, die sich vielleicht denken: So arg wird es schon nicht werden. Bis Worten Taten folgen.“ (Petra Piuk)
„ein aufwühlendes Stück Theater …, das eine Brücke in die Gegenwart schlägt und daher umso wichtiger ist.“
BVZ, 46/2018
„In Petra Piuks ‚Talkshow 1933‘ ähneln Brutalisierung der Sprache, Ausgrenzung und Gewalt einer heute sich wieder Bahn brechen wollenden Praxis.“
DER STANDARD, 7. November 2018
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Schauspiel
UA: 08.11.2018, Offenes Haus Oberwart (OHO), Regie: Angelika Messner