"Es wäre schade, wenn die Wirklichkeit anders wäre, als die Vorstellung, die wir uns von der Wirklichkeit machen."
Die Hauptfiguren sind Personen im mittleren Alter. Ludwig und Dolores, sowie der gemeinsame Freund Augustin. Und Hedwig, eine alleinstehende Frau. Man kennt das Leben. Es erschöpft sich in sinnloser Gleichgültigkeit. Wo keine Sehnsucht ist, ist keine Hoffnung.
Die erste Begegnung von Hedwig und Ludwig gibt Anstoß zur Veränderung. Sie möchten einander wiedersehen, doch wird ihnen bewusst, dass ihre Beziehung anders sein müsste als die vorangegangenen. Es müsste etwas Neues geschehen. Das einzig Neue in ihrem Leben aber wäre der Tod.
„Es ist das Leben, wie ich es erlebe.“ (Gerlinde Obermeir)
ausführliche Beschreibung
Das Thema beschäftigt sich mit der Frage nach der Ausschließlichkeit. Es setzt zu einem Zeitpunkt ein, in dem die Gesellschaft versucht, dem Einzelnen seine Einzigartigkeit abzusprechen, um die Gleichwertigkeit der Menschen hervorzuheben. Die Freiheit liegt in der Wahllosigkeit, mit der man sich an den anderen verschenkt.
Die Hauptfiguren sind Personen im mittleren Alter. Ludwig und Dolores, sowie der gemeinsame Freund Augustin. Hedwig, die alleinstehende Frau. Man kennt das Leben in allen Erfahrungsbereichen und ist nicht nur bereit, seine Verpflichtungen zu erfüllen und sich mit den alltäglichen Dingen zu begnügen, sondern auch bereit, das Selbstverständliche zur Kostbarkeit zu erheben. Dabei erschöpft sich das Leben umso mehr in sinnloser Gleichgültigkeit als der Alltag keine Sehnsucht erwecken kann. Wo keine Sehnsucht ist, ist keine Hoffnung.
Die erste Begegnung von Hedwig und Ludwig gibt Anstoß zur Veränderung. Das Stück setzt ein mit einem Gedankendialog. Hedwig liegt auf dem Dach ihres Hauses, Ludwig ist in den Bergen. Sie möchten einander wiedersehen, doch wird ihnen bewusst, dass ihre Beziehung anders sein müsste als die vorangegangenen; sonst könnte man alles bestehen lassen, wie es ist. Es müsste also etwas Neues geschehen, etwas noch nie Dagewesenes, etwas Einzigartiges, damit die Beziehung jene Ausschließlichkeit erhält, in der Hedwig und Ludwig Sinn empfinden können. Das einzig Neue in ihrem Leben aber wäre der Tod.
Ludwig denkt zunächst nicht an eine Veränderung. Er spürt die Verpflichtung zu Dolores und seiner Umgebung. Er zieht sich von Dolores zurück, versucht aber noch, das Bestehende aufrecht zu halten. So wird für Ludwig die Bedrückung immer größer und seine ursprüngliche Sympathie zu Hedwig steigert sich in Sehnsucht. Trotz der Aussichtslosigkeit, in der sie sich befinden, beschließen Hedwig und Ludwig einander zu suchen. Jahre später geschieht die Begegnung, die gleichzeitig ihre letzte ist.
Sie sind im gleichen Wald, sehen die gleiche Lichtung, laufen auf die Lichtung zu und finden einander. Während der Umarmung werden sie von Dolores' Dienern erschossen. Von der neuen Gesellschaft aus betrachtet, ist Dolores im Recht. Die Diener sind zu ausführenden Handlangern funktioniert. Wenn die Freiheit in der Wahllosigkeit liegt, mit der man sich an den anderen verschenkt, so hat Ludwig dieses Gesetz gebrochen indem er bewußt Hedwig wählte. Er hat auch das Gesetz der Gleichwertigkeit gebrochen. Hedwig war ihm mehr wert als Dolores.
Im letzten Teil wird die Weiterentwicklung dieser Gesellschaftsform gezeichnet. Dolores und Augustin sind verheiratet. Es gibt die Kinder Armand und Armanda, heranwachsende halbe Monster. Davon ausgehend, daß es die Einzigartigkeit nicht gibt, wird jeder Mensch so gefördert, wie es die stärkste Bezugsperson will. In diesem Fall Dolores. Bei Armand und Armanda werden der intellektuelle und der musische Bereich gefördert. Dem steht die Ausprägung der manuellen Arbeitskraft und Einfalt von Jakob und Josef gegenüber.
Um das dünne Gebäude aufrecht zu erhalten, begegnet man einander mit Zuvorkommenheit. Mittel dazu ist die Lüge oder die Wahrheit so präsentiert, daß es keine Auflehnung gibt. Nichts hat sich verändert. Die Herrschenden herrschen weiter, die Unterdrückten bleiben weiterhin unterdrückt.
Es ist das Leben 1982, wie ich es erlebe. Ich habe eine poetische Sprache dafür gewählt.
(Gerlinde Obermeir)