Erbe

Stück in drei Akten

Dorothea Zeemann

Ein Sittenbild der Wiener Nachkriegsgesellschaft
Wien 1945. Ein Familienfest in Trümmern. Vor sieben Jahren wurde Otto geboren, vor sieben Jahren wurde der jüdische Arzt Alfons Adler deportiert, das Haus seines Vaters arisiert. Jetzt, nach dem Krieg, ist er in sein Elternhaus zurückgekehrt. Die neuen Besitzer begegnen dem Besatzungssoldaten Adler mit Missgunst und offenem Hass. Hat man nicht schon genug gelitten? Alles verloren, nur das Leben behalten und die Last der Schuld aufgebürdet bekommen? Und nun will Adler wieder hier leben, womöglich noch das Haus zurück?

„Erbe“ von Dorothea Zeemann zeichnet schonungslos und in starken Farben ein Bild der Wiener Nachkriegsgesellschaft in drei Akten von 1945 bis 1960. Sie erzählt von faschistischen Kontinuitäten, dem Aufbrechen alter Wunden und dem aufkeimenden Widerstand der jungen Generation.
ausführliche Beschreibung
„verzeih mir, dass ich als sieger wiederkomme. verzeih, dass ich euer opfer gewesen bin. verzeih mir, dass ich wiedergekommen bin.

Wien 1945. Ein Familienfest in Trümmern. Vor sieben Jahren wurde Otto geboren, vor sieben Jahren wurde der jüdische Arzt Alfons Adler deportiert, das Haus seines Vaters arisiert. Adler konnte aus dem Lager entkommen. Er floh in die USA und ging zur Armee. Jetzt, nach dem Krieg, ist er in sein Elternhaus zurückgekehrt. Hier lebt Hedwig Reitknecht, seine einstige Geliebte mit ihrem Sohn, ihrer Schwester, ihrem Vater, ihrem Mann und der jungen Irmgard. Die neuen Besitzer begegnen dem Besatzungssoldaten Adler mit Missgunst und offenem Hass. Hat man nicht schon genug gelitten? Alles verloren, nur das Leben behalten und die Last der Schuld aufgebürdet bekommen? Und nun will Adler wieder hier leben, womöglich noch das Haus zurück?

„man sollte die alten leute, die sich politisch so sehr geirrt haben, wirklich mehr schonen. man kommt auf die welt und tut, was die andern tun. und mit einem mal soll das unrecht sein?“

1955, zehn Jahre später. Ottos siebzehnter Geburtstag. Die Risse in den Mauern sind übertüncht, aber die Risse in der Familie treten offen zutage. Otto steht am Beginn einer Musiker-Karriere. Seine radikalen, zeitgenössischen Kompositionen sind der Familie ein Graus. Besonders der Großvater, der so große Hoffnungen in seinen Enkel setzte, kann und will ihn nicht mehr verstehen. Und wieder taucht unerwartet Alfons Adler auf.

„ich gehöre zu euch. mich können sie nicht loswerden, weil …“

1960, fünf weitere Jahre später. Während zwischen Alfons und Hedwig die alte Leidenschaft wieder aufflammt, versucht der alte Reitknecht in einem letzten Akt der Verzweiflung, die Kontrolle über seine Familie zurückzugewinnen. Ein Akt, der in seinem Tod endet.

„ich hasse euch alle / weg weg weg mit euch / wie könnt ihr nur ohne hass leben“

„Erbe“ von Dorothea Zeemann zeichnet schonungslos und in starken Farben ein Bild der Wiener Nachkriegsgesellschaft in drei Akten. 2024 wurde der Text im Theater Nestroyhof / Hamakom, Wien uraufgeführt.
„Eine gelungene Entdeckung“
Thomas Kramar, Die Presse, 13. April 2024
„Zeemanns Text ist hochaktuell, wild und vielschichtig.“
Sarah Wetlmayr, Die Bühne, 8. April 2024
3D 4H
Schauspiel
UA: 11.04.2024, Theater Nestroyhof, Wien