Ghiccho und seine Kinder oder Wir brauchen einen neuen Planeten

Modernes Märchen gegen die Bevölkerungsexplosion

Georg Maria Hofmann

Ghiccho, ein Flötenspieler, gerät durch Heirat und vielfache Kinderzeugung unter die Mühlräder der Leistungs- und Konsumgesellschaft. Zunächst kann man einigermaßen vom Kindergeld leben. Dann soll die vielköpfige Kinderschar zu Zirkusakrobaten ausgebildet werden. Ein Kind noch im Babyalter büßt bei diesem Training sein Leben ein – es fällt in den Nudeltopf. Ghiccho muss das Spielen aufgeben und sich in die moderne Arbeitswelt eingliedern: als Kontrolleur im „Wissenschaftlichen Institut“, wo alle Arbeiter Kontrolleure heißen und täglich acht Stunden auf einen Bildschirm starren müssen. Bei der kleinsten Unaufmerksamkeit werden die Kontrolleure bestraft, indem man ihnen erst die Haare, dann das eine oder andere Ohr, die Arme und schließlich die Beine abschneidet. Nachdem Ghiccho sich durch verstohlenes Flötespielen strafbar gemacht hat, werden auch ihm das Haar, die Ohren etc. abgeschnitten. Doch mit letzter Verstandeskraft flieht er zurück zu seiner Frau Manna und spielt wieder Flöte: an seiner Stelle strömen jetzt seine Kinder, die einen sogenannten höheren Lebensstandard anstreben, ins „Wissenschaftliche Institut“. Ghiccho will sie zurückhalten, doch Manna findet, dass er als guter Vater seine Kinder perfekt untergebracht hat.
„G. Maria Hofmann erreicht mit Komik und Groteske jenes direkte Gegenüber mit dem Zuschauer, das zunächst einmal im Gelächter Gemeinsamkeit stiftet. Zudem zeigt eine verkehrte Welt, wird sie nur konsequent auf den Kopf gestellt, sich in ihrer gewünschten Entlarvung: GHICCHO UND SEINE KINDER ist ein monströses Jedermann-Spiel des Konsumbürgers.“
Stuttgarter Zeitung, 1979
2D 8H
Schauspiel
UA: 23.11.1997, Schauspiel Frankfurt, Regie: Lutz Hochstraate