Paracelsus now

Monolog für einen Spieler

Georg Maria Hofmann

Dieses Stück sucht die Annäherung an das besondere Wesen des Paracelsus – gespiegelt in der Figur des späten Studenten Bertl, seinem fiktiven Alter Ego. Die Absurditäten in Bertls Existenz sind jenen des großen Arztes verwandt und zeigen: Das Absurde ist keine Verzerrung der Wirklichkeit, sondern ihr heimlicher Zwilling. Vielleicht verkörpert Paracelsus jenen Arzt, den wir uns alle wünschen: einen fast persönlichen Freund, der uns nicht als bloße Nummer behandelt, sondern als Menschen. Einen diesseitigen Priester, der Heilung nicht ins Jenseits verschiebt, sondern am Bett seines vielleicht sterbenden Patienten verweilt – wie eine Mutter, die erkennt, dass sie nur noch trösten kann.
ausführliche Beschreibung
Der späte Student Bertl arbeitet besessen an seiner Dissertation. Seine Freundin Laura liest ihm die Werke des Paracelsus auf Tonband ein, mit einem seltsamen Gerät namens Win-Dict. Doch die Aufnahmen sind durchzogen von Fehlern, Wiederholungen – und Lauras heimlichen Seufzern. Aus diesen bruchstückhaften Tonspuren erschafft Bertl auf japanischem Papier ein Opus magnum, das ihm, wie er hofft, den Doktortitel sub auspiciis sichern wird. Die Ernüchterung folgt: zwölf Bände voller Leidenschaft und Irrsinn werden abgelehnt. Mehr und mehr steigert sich Bertl in die Idee einer eigenen Paracelsus-Mutation hinein und sieht sich als großen Gegenspieler seines Doktorvaters, der zum Erzfeind wird. In einer absurden Szene gebiert die schwangere Laura nicht ein Kind, sondern einen Sturm, der ein Schiff bis nach Aleppo trägt. Bertl ist zum buckligen Paracelsus geworden, den selbst Laura nicht mehr erkennt. Im Gang zu den „Müttern“ ruft er seine verstorbene Mutter an – und sie erscheint tatsächlich, als schwarzer Vogel, der sich auf seinen Schrein setzt.

Im zweiten Teil tritt Bertl/Paracelsus als praktischer Röntgenarzt in Erscheinung. Zum ersten Mal verliebt er sich – in Lauro, den jungen Doppelgänger seiner früheren Geliebten. Er glaubt, die Mutter habe an seinem Begräbnis Zauberfläschchen mit Auferstehungselixier untergemischt. Als Lauras verzweifelter Vater auftaucht, finden beide Trost in gegenseitiger Klage. Doch Bertl verwandelt sich erneut – diesmal in eine Frau, halb Zwerg, halb Hexenwesen, geformt von der Magie seiner Mutter. Trotz seiner grotesken Gestalt baut er sich mit zehnfacher Energie eine blühende Ordination auf. Am Ende verwandelt ihn die Mutter zurück, doch in übersteigerter Form, mit vervielfältigten Gliedmaßen – „wie ein Affe mit einem Strauß Bananen“.

Nach dem dritten Alptraum erwacht Bertl endlich als der „richtige“ Paracelsus. Der Buckel ist verschwunden, er besitzt einen gesunden jungen Körper und ein glückliches Ende scheint greifbar. Doch die „dulle Griet“ zerstört alles: sie verwüstet sein Heim und verschwindet. Im Epilog kehrt Bertl zurück, sieht den Trümmerhaufen und weiß, dass sie da war. Der Hund, den er einst nach Laura benannt hat, fällt ihn mit hasserfüllten Bissen an.