Utz oder Die Wiedereinrichter

Ein Bauernkrimi

Gabriele Jaskulla

In vier Bildern, durch die Jahreszeiten, entwickelt sich die Hiobs-Geschichte eines Mecklenburger Bauern.
Bauer Utz wird verrückt. Ausgerechnet er, dem es auch in 40 Jahren der DDR immer gelungen ist, selbständiger Bauer zu bleiben und der die Wende bejubelt hat, kommt nicht mehr klar. Neue Verhältnisse, alte Feinde. Das Radio spuckt Gedichte aus statt der benötigten Wettervorhersage. Freund Jan zieht ihn über den Tisch. Und dann ist da noch die Schwarzhaarige, eine Sängerin, die auf der Durchreise von Berlin an seinem Hof angehalten hat: Äpfel wollte sie kaufen, Äpfel aus Adamshof. „Und dann kam sie. Sie wollen wissen, wie sie kam? Sie kam – einfach so ... Ich meine, sie kam nur vorbei. Sie kam nicht, um zu bleiben.“ Aber Bauer Utz läßt die Schwarzhaarige nicht mehr gehen. Immer, wenn er die Kühlschranktür öffnet, hört er sie ihre Arien singen. Klar, er hat eine CD gekauft - oder ist womöglich etwas anderes im Kühlschrank?

Am Ende kommt die Polizei. An den Verhältnissen ändern wird auch sie nichts: „Ich sah einen Narren Wurzeln schlagen/ und sogleich verwünschte ich seine Wohnung/ Der Mensch ist zur Mühsal geboren/ wie die Funken nach oben fliegen.“
1D 1H
Für einen Schauspieler und eine Sängerin (eventuell als Video)
Krimi, mit Musik, Schauspiel
Zum Hintergrund

„Wiedereinrichter“ hießen im Amtsdeutsch jene zum Teil selbständig gebliebenen Bauern der ehemaligen DDR, die nach 1991 ihre ehemaligen Höfer (wieder) aufbauten. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es tatsächlich eine katholische Enklave namens Adamshof. Der Name „Utz“ ist dem Buch Hiob entnommen, auch Bruce Chatwin hat ihn benutzt. Das Stück ist aus eigenen Texten, Zitaten aus dem Buch Hiob, Gedichten von Wulf Kirsten und Opern-Arien montiert.