Herbstkräftig, die gedämpfte Welt

Stück in sechs Akten

Doris Reckewell

Sechs Personen, Angehörige vier verschiedener Generationen, bleiben nach einem dreitägigen Probealarm auf engstem Raum zusammengepfercht, weil die Tür nach draußen trotz vielseitiger Versuche, sie zu öffnen, verschlossen bleibt. Bis dahin unterdrückte Aggressionen, Nervositäten, Empfindlichkeiten steigern sich zur Hysterie. Heinrich Aschoff verdächtigt Rudolf Blume, den Älteren, der sich schnell der neuen Situation angepasst hat, an der Tür herummanipuliert zu haben, um sich als Held und als überlegener Organisator aufspielen zu können. Seine Frau Maria hält sich, wie gehabt, am Alkohol fest, während Eva Blume zunehmend die Contenance verliert, innerlich und äußerlich. Ruhig bleiben nur der alte Schöller und die junge Lore Weber. Er, weil ihm die Vergangenheit wichtiger ist als die Gegenwart, sie, weil sie ihre Ängste allein zu bewältigen sucht. Doch sie scheitert, denn nichts spendet mehr Trost in dieser Situation, auch das Vertrauteste nicht. Sie begeht Selbstmord. Offen bleibt, ob die Radikalität ihrer Reaktionen die anderen aufrüttelt. Es ist möglich, aber nicht sicher.