Imperium

Götz Spielmann

Wie verhalten sich Menschen, deren ausschließlicher Motor das Ego ist?
Götz Spielmann zeigt in seinem modernen Totentanz den Zerfall eines machtorientierten Menschen, der mit dem wachsenden Erfolg seines Unternehmens seine inneren Werte mit den äußeren gleichgeschaltet hat. Sein vergöttertes Ego, das sich über Geld und Prestige definiert, zerfällt Schritt für Schritt mit der Bedrohung seiner Position durch Erpressung und Krankheit. Das Imperium zerbricht, das Ich entpuppt sich als Illusion.
ausführliche Beschreibung
Wessely, ein erfolgreicher Bordellbesitzer, hält die Fäden, an denen sein geschäftliches und privates Imperium hängt, fest in Händen. Alles ist erreicht, die Konten sind prall gefüllt. Seine elf Vergnügungsetablissements, die uneingeschränkt Lust verkaufen, blühen, das Geschäft mit der Suche nach Liebe läuft.

Am Zenit seines Erfolges wird er bei einer Routineuntersuchung mit der Diagnose einer unheilbaren Krankheit konfrontiert. Mit dem Wissen um seinen baldigen Tod richtet er seinen Blick erstmals nach innen und nimmt gleichzeitig sein Umfeld und die Bedrohung von außen mit geschärften Sinnen wahr: Behördliche Schikanen, von höchster Stelle gesteuerte Razzien in seinen Clubs, Druck und Erpressung von Investoren gehen Hand in Hand mit der gezielten Unterwanderung seiner Person im privaten Bereich.

Seine Frau, durch das nötige Grundkapital maßgebliche Begründerin des gemeinsamen Reichtums, hat sich zwischen Luxus und verlorenen Illusionen eingerichtet und toleriert längst, was Wessely ihr zu verheimlichen glaubt. Sein Assistent rückt ihm durch ein Verhältnis mit seiner vor allem Dreck der lukrativen Geschäfte beschützten Tochter bedrohlich näher. Seine Geliebte zieht ihre erotische Schlinge mit dem Ziel des eigenen, von Wessely finanzierten Cafehauses vor Augen immer enger und entpuppt sich als Drahtzieherin des Verrats in den eigenen Reihen.

Eines Tages begegnet Wessely in der Arztpraxis einer Frau, die seiner früheren Geliebten Xenia ähnlich sieht. Die Gestalt von Xenia, die vor vielen Jahren Selbstmord begangen hatte, taucht immer wieder real vor seinen Augen auf, nimmt mehr und mehr Besitz von ihm, greift in die letzten Monate seines Lebens ein und zeigt ihm schließlich den Weg, die Grenze zu überschreiten.

"Zentrales Leitmotiv von Imperium ist das Ich und seine Position im gegenwärtigen Denken, zentrale Figur ist ein egozentrischer Machthaber aus dem Rotlichtmilieu. Ein interessantes Milieu, nicht weil so anders als der Rest der Gesellschaft, sondern weil es so ähnlich ist. Ein zugespitzter Spiegel dessen, was Gesellschaft ausmacht. Alles wird evaluiert, alles muss einen Preis haben. Die Welt des Kaufens und Verkaufens bildet sich paradigmatisch ab. Aber auch die Gier, der Schein, die Heuchelei, die Not, die verborgene Traurigkeit einer Gesellschaft, die sich vor allem materiell definiert." (Götz Spielmann)