Le Passé / Das Vergangene

Susanne Felicitas Wolf / Asghar Farhadi

Der preisgekrönte Film von Asghar Farhadi für die Bühne
Marie bittet ihren Noch-Ehemann, der inzwischen in Teheran lebt, um die Scheidung. Ahmad kommt nach Paris, um alles im Guten abzuwickeln und auch, um Maries Töchter wiederzusehen. Seine Anwesenheit ist der Auslöser einer Lawine von Emotionen und Ereignissen, in die sich alle Beteiligten rettungslos verstricken. Die Bühnenfassung nach dem Film von Asghar Farhadi erzählt von der Macht des Vergangenen und Menschen, die um ihre Positionen und Werte kämpfen. Eine Paraphrase über menschliche Liebes- und Beziehungs(un)fähigkeit.
ausführliche Beschreibung
Ahmad und Marie waren einmal ein Ehepaar. Sie sind es noch, wenn auch nur auf dem Papier. Seit einigen Jahren sind sie getrennt. Ahmad ist nach Teheran zurückgegangen. Jetzt kommt er nach Paris, weil Marie die Scheidung verlangt. Sie will wieder heiraten. Ahmad möchte die Angelegenheit nicht per Anwalt, sondern persönlich über die Bühne bringen. Außerdem will er Maries Töchter wiedersehen, die an ihm so hängen, wie er an ihnen. Vor allem die 16jährige Lucie kommt mit den wiederholten Partnerwechseln ihrer Mutter nicht zurecht und verzeiht ihr die Trennung von Ahmad nicht. Sie lehnt Maries zukünftigen Ehemann Samir ab und gibt den beiden die Schuld am Selbstmordversuch von Samirs Noch-Ehefrau Celine. Celine liegt seit dem fatalen Vorfall im Koma. Ob sie je aufwachen wird, ist ungewiss. Vor den Augen ihres kleinen Sohnes Fouad wollte sie ihr Leben freiwillig beenden.

Mit Ahmad steht die Vergangenheit wieder in Maries Leben, das trotz ihrer neuen Liebe zu Samir nicht einfach ist. Die innere und äußere Separation von Ahmad ist längst vollzogen, und doch melden sich Bruchstücke vergangener Gefühle, die beide schmerzhaft wahrnehmen. Ahmad wohnt auf Maries Wunsch in ihrer Wohnung, in die eigentlich schon Samir mit Sohn Fouad eingezogen ist. Fouad ist durch das Erlebnis mit seiner Mutter traumatisiert und fühlt sich bei Marie wohl, während Lucie ihrer Mutter das Leben schwer macht und Samir demonstrativ ablehnt. Alle stehen unter Spannung und kämpfen verbissen um ihre Wahrheit und Werte. Ahmad scheint als einziger Ruhe im Chaos der Emotionen zu bewahren. Obwohl auch er leidet. Samir ist hin und hergerissen zwischen der Frau, die künstlich am Leben erhalten wird und der Frau, mit der er seine Zukunft verbringen will. Marie erwartet ein Kind von ihm. Sie lässt Ahmad von der Schwangerschaft wissen. Der wiederum erzählt es der ahnungslosen Lucie, die daraufhin untertaucht und ihre Mutter damit an den Rand der Verzweiflung treibt. Marie hat übersehen, dass die Scheidung auch für ihre Tochter eine schmerzliche Trennung ist. Eine Loslösung von dem Mann ist, der für sie ein Vaterersatz war. Auch Samir ist überfordert und packt zur Entspannung der Situation seine Koffer. Er spürt nicht nur Lucies Abneigung, sondern auch Maries Verunsicherung durch Ahmads Anwesenheit. Marie wiederum spürt die stille Macht Celines aus der Zwischenwelt und macht wie Samir einen Schritt in Richtung innerer Rückzug.

Alle sind überzeugt, dass Celines missglückter Suizid die Folge ihrer schweren Depressionen war. Doch Lucie meint, durch eine unbedachte Aktion Celines Verzweiflungsakt ausgelöst zu haben und fühlt sich schuldig. Doch es gibt eine weitere Person, die aus ganz anderen Motiven zu dem Unglück beigetragen haben könnte. Warum Celine wirklich sterben wollte, ist ihr Geheimnis. Am Schluss weiß man viel, doch die Wahrheit bleibt im Dunkel.

Ist das Vergangene passé? Die Protagonisten leiden an ihrem vergangenen Tun oder Nicht-Tun. Schuld steht im Raum, Verantwortung für die eigenen Handlungen und deren Folgen. Film und Stück über das Vergangene sind eine Erzählung der Gegenwart. Mit ihren wechselnden Beziehungen und Familienmodellen und den daraus resultierenden Irrwegen und Auswegen. Vor allem ist "Le Passé" eine Geschichte über die „Dinge des Lebens“ und stellt Fragen nach dem Sein, auf die es keine Antworten gibt.
4D 3H
Schauspiel
UA: 12.2.2015, Schauspielhaus Graz

Credits

Nach dem Film „Le passé – Das Vergangene“ von Asghar Farhadi, Bühnenfassung Susanne Felicitas Wolf