Der Mann, die Frau und das Schiff

Die berühmte Geschichte von Iason und Medea

Hans Saenger / Euripides

Eine Exposition hat das Stück eigentlich nicht nötig: sein Untertitel erfüllt diesen Zweck. Es ist die bekannte, zuerst von Euripides auf die Bühne gebrachte Geschichte der Frau und Mutter, die der Gatte schändlich verlässt, um sich mit einer jüngeren Frau von Rang zu vermählen. Allenfalls ist es gut, die Unterschiede zu den Vorläufern zu erwähnen. Deren wichtigster ist, dass Medea ihre Kinder nicht tötet. Der Kindsmord als Rache am treulosen Gatten ist ja doch etwas sehr Pathologisches und eine Erfindung Euripides, der den Mythos in diesem entscheidenden Stil radikalisiert. Dadurch hat er um die Gestalt der Medea gleichsam einen magischen Kreis geschlagen, aus dessen Bann keiner seiner zahlreichen Nachfolger herausfindet. Um Medea als positive Heldin zu retten, werden sie nicht müde, Iason so negativ wie möglich zu zeichnen. Dadurch geht er ihnen aber als einer der griechischen Haupthelden verloren, was sich nicht zuletzt dadurch äußert, dass sein Name in keinem Werktitel vorkommt.
ausführliche Beschreibung
Das Stück beginnt mit einem Schiffbruch. Iason strandet mit seiner Familie vor Korinth. Der weitere Handlungsfaden, die Trennung Iasons von Medea und seine Verlobung mit der korinthischen Prinzessin Kreusa folgt Euripides, doch hält Medea an der Schwelle zum Kindsmord inne. Mithilfe einer Gruppe korinthischer Auswanderer flieht sie mit ihren Söhnen vor dem Zugriff patriarchalischer Macht. Zwar ist das Auswandererschiff voll, doch unter Zurücklassung von allerlei ideologischem Ballast wird für Medea und die Ihren doch noch Platz frei. Das Stück endet mit Iasons Tod. Den Verlust der Seinen nicht verwinden könnend, sucht er Trost unter den Trümmern seines Lebensschiffes ARGO und wird in einer Sturmnacht von einem herabfallenden Balken erschlagen. Dem schließt sich ein am elysischen Strand zwischen Iason und Medea geführter Dialog an, der die Geschichte vom Mann, der Frau und dem Schiff dem Prinzip Hoffnung anbefiehlt. Als Nebenhandlung ist in das Stück die Geschichte der schon erwähnten Gruppe junger Korinther eingewoben, die, gleichsam als Weiterentwicklung des antiken Chores, das menschliche Geschehen und Iason und Medea sympathetisch kommentiert.