Ein Brautkleid im Zentrum einer bitterkomischen Auseinandersetzung über Werte, Erwartungen und die Tücken moderner Partnerschaften
Schon in der Hochzeitsnacht gibt es den ersten Ehekrach. Anlass ist Julis Brautkleid. Es aus sentimentalen Gründen ein Leben lang zu behalten, ist in den Augen des frischgebackenen Ehemanns die reinste Verschwendung. Unter starkem Einfluss von Alkohol stellt Philipp, anstatt die Hochzeitsnacht zu genießen, das sündteure Lafarge zum Wiederverkauf ins Netz. Leider unterlaufen ihm dabei einige Pannen. Am nächsten Morgen hat das Kleid eine neue Besitzerin. Um nur einen Euro hat Elke das Lafarge erstanden. Juli will es um alles in der Welt zurück. Und Philipp will sein Unrecht wiedergutmachen. Ihre Wege kreuzen sich, und für das Brautkleid ist es der Anfang einer abenteuerlichen Odysseé.
ausführliche Beschreibung
Juli und Philipp hätten nicht gedacht, dass sie ihre Hochzeitsnacht in getrennten Betten verbringen würden. Doch nachdem Philipp seine frisch Angetraute standesgemäß über die Schwelle getragen hat, findet die Romantik ein jähes Ende. Über das Brautkleid, das dem frischgebackenen Gatten schon beim Öffnen Schwierigkeiten bereitet, bricht eine hitzige Debatte aus. 8000 Euro hat Juli für das Lafarge hingeblättert. In den Augen des Finanzcontrollers ein Irrsinn. Aber Philipp kalkuliert bereits den Wiederverkaufswert des exquisiten Stoffteils. So erwachse daraus ja kein Schaden.
Wiederverkauf? Juli traut ihren Ohren nicht. Ihr Lafarge, das sie ein Leben lang aufheben und in Erinnerung an den schönsten Tag betrachten würde? Statt Juli süße Worte ins Ohr zu flüstern, rechnet Philipp ihr die Relation ihrer beider Verdienste und die daraus resultierenden Besitzverhältnisse vor. Und das prozentuale Recht, über Hab und Gut zu entscheiden. So gesehen habe er 70% mehr zu bestimmen. Tief verletzt knallt Juli die Schlafzimmertür hinter sich zu. Und Philipp tröstet sich auf der Wohnzimmercouch mit Alkohol. Im Suff stellt er das Brautkleid zum Verkauf ins Netz, noch dazu über Julis Konto. Leider vergisst er, ein Mindestangebot anzugeben. Als er Juli am nächsten Morgen seine Racheaktion gesteht, ist es bereits zu spät. Das Lafarge ist verkauft. Um einen Euro. Die Versandkosten muss Juli selber tragen. Ein Verkaufsrücktritt ist ausgeschlossen, da es sich um eine Versteigerung handelt. Diesmal knallt Juli die Eingangstür hinter sich zu.
Wild entschlossen sucht sie die Käuferin auf, um mit ihr von Braut zu Braut zu reden. Elke, die neue Besitzerin, ist zwar nicht erfreut, ihr Schnäppchen wieder herzugeben, aber für einen stolzen Preis von 10.000 Euro kann Juli ihr Lafarge zurückhaben. Während Juli auf die Bank muss und Elke in die Arbeit, taucht Philipp auf. Er will sein Unrecht wiedergutmachen. Er trifft auf Elkes Verlobten Roland und erklärt ihm von Bräutigam zu Bräutigam seine Not. Die Männer verstehen sich auf Anhieb prächtig. Im Gegensatz zu Elke fehlt es Roland an Geschäftssinn. Gutwillig storniert der sympathische Tischler den Kauf. Und wie Philipp das Kleid ohne das Wissen seiner Frau verkauft hat, so verschenkt Roland es ohne das Wissen seiner Verlobten. Und ohne das Wissen Rolands knöpft Elke der zurückgekehrten Juli die 10.000 doch noch ab.
Erleichtert erwartet Philipp seine junge Ehefrau mit dem Brautkleid und hofft auf eine verspätete Hochzeitsnacht. Die findet allerdings wieder nicht statt. Juli will das Lafarge nicht mehr. Doch als Elke mit Roland auftaucht und die 10.000 halbherzig zurückbringt, weiß Juli plötzlich, was sie wirklich will. Und das Brautkleid? Das hat noch eine lange Reise vor sich …
Welch hochkarätiges Stück über ein spitzenbesetztes Brautkleid entstehen kann, bezeugt Stefan Vögels spitzenmäßiges Autorenpotential. Die Odysseé des sündteuren Textils und das zwischenmenschliche Zusammenprallen seiner wechselnden Besitzerinnen samt angetrauter und zukünftiger Männer lässt auf ereignisreiche Ehejahre schließen. Was dahintersteckt, ist eine komisch-böse und tief menschliche Analyse von Soll und Haben, sei es in der Geldbörse oder im Herzen. Kann dieses Brautkleid doch noch Glück bringen?
„Stefan Vögel hat eine Komödie mit hübschen Twists geschrieben und zeigt, wie das ökonomische Denken auch die Beziehungen durchdringt und der Romantik den Garaus zu machen droht.“
Abendzeitung München, 2022
„mit viel Witz und einem Hauch Gesellschaftskritik“
Wochenblatt, 2024