Das Kurhaus

Helmut Qualtinger

Zwischen Schonkost und Lebenslügen
„Fleisch kann man besonders genießen, wenn man weiß, daß es einem schadet."
Vier Kurgäste – drei Frauen und ein Krankenkassenfunktionär – treffen sich im Speisesaal eines Kurhauses. Während sie ihre Knie-, Magen- oder Gichtleiden besprechen, wird das Essen serviert: Schonkost, Diabetikerkost, Eiweißfrei oder Normalkost.

Doch das eigentliche Thema ist weniger die Gesundheit als die Lust am Klagen, Vergleichen und Tauschhandel: Jeder beneidet den Teller des anderen, es wird probiert, getrickst und über die Ärzte gespottet. Der Krankenkassenmann prahlt mit seinen „Verbindungen“ und seiner wiederholten Kur, während die Frauen zwischen Diätvorschriften und kulinarischen Versuchungen lavieren.

Am Ende bleibt die Pointe: Krankheiten sind in diesem Kurhaus weniger Schicksal als Gesprächsstoff, und die eigentliche „Kur“ besteht im Austauschen von Schmäh, Leidensgeschichten und verbotenen Bissen.
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