Der Ärztekalender

Helmut Qualtinger

Zwölf Monate voller Diagnosen
Ein Arzt sitzt am Jahresende in seiner Ordination und blättert in einem Werbekalender der pharmazeutischen Industrie. Monat für Monat reißt er ein Blatt ab, kommentiert die Sinnsprüche, erinnert sich an Patienten, Kollegen, Kongresse, Krankheiten und private Begebenheiten.

Sein Monolog schwankt zwischen Zynismus, Melancholie und bitterem Humor: von aussichtslosen Operationen über Korruptionsgeschichten im Rathaus bis zu banalen Urlaubsgrüßen. Goethe-Zitate werden mit Schimpfworten quittiert, und hinter den Kalendersprüchen verbirgt sich das ganze Jahr voller Enttäuschungen, Eitelkeiten und kleiner Triumphe.

Am Ende, konfrontiert mit einer eigenen Krankheitsdiagnose, bricht seine Fassade zusammen. Er hängt zwar einen neuen Kalender auf – doch mit dem Gefühl, dass er ihn wahrscheinlich nicht mehr brauchen wird.