Die Spitze der neuen österreichischen Regierung hält Klausur.
In einem heimischen Gourmetlokal werden bei heimischer Küche mit heimischen Produkten die heimischen Prioritäten besprochen: Rauchen, Geschwindigkeitsbeschränkungen, da wird konstruktiv sondiert. Der Kanzler, der Vizekanzler, die Frauenministerin und der Sekretär sind sich einig: Das Volk will verstanden und geliebt werden. Am nächsten Tag wollen sie gemeinsam vor die Presse treten.
ausführliche Beschreibung
Der Vizekanzler gelobt, ein Aktiv-Raucher und Weißweintrinker zu bleiben. Im Gegensatz zum Kanzler, der auf das sexy österreichische Wasser schwört. Die Frauenministerin will vor allem mit einem Wort punkten: Gewaltschutz. Sie verurteilt Gender Mainstreaming und Quotenregelung und plädiert auf das Recht der Frau zu echter Wahlmöglichkeit: die Wahlmöglichkeit zu geringfügiger Beschäftigung, zu Mindestpension, zu Gewaltopferschaft und Armut. Und eigentlich will sie sofort zurück zu ihrem Herd. Dieses ewige Europa-Getue und die Diktatur der politischen Korrektheit, das muss jetzt auch ein Ende haben. Dauernd muss man die Ausländer erwähnen. Dabei sind die Ausländer, die eh nicht kommen, nur noch eine Vorstellung. Einig ist man sich nur in einem: Christliches Glockenläuten statt dem Ruf des Muezzins. Bim Bam versus Allahu-Akbar.

In Erwartung so eines Ausländers, der nur mehr in der Vorstellung kommt, erspähen sie in der Ferne den Innenminister. Hoch zu Ross galoppiert der Philosoph der Republik dem Sonnenuntergang entgegen. Allgegenwärtig scheint der große Vordenker alles zu sehen und alles zu hören. Auch dass ihn der Vizekanzler einen Trottel heißt. Der ist überhaupt sauer. Dauernd wird er vom Kanzler mit seiner Sexy-Politik ausgetrickst. Er droht, wieder in die Opposition zu gehen. Da konnte er immer gegen etwas sein, jetzt muss er immer für etwas sein. Und auf sein aktives Sexualleben will er auch nicht verzichten, auch wenn er so nie Kanzler wird.

Zur Krönung seines Super-Sexy-Programms für Wirtschaft, Bildung, Verkehr und Zuwanderung plant der Kanzler im gewohnten Reformtempo eine Visionen-Gruppe. Allerdings ohne den Innenminister. Doch da hat er die Rechnung ohne den großen Visionär gemacht. Der kommt aus der Ferne näher, erhebt eine Waffe, zielt und trifft. Einen nach dem anderen.

Bernd Liepold-Mosser schneidet tagespolitische Themen an und steigert die Gedankengänge ins Absurde. Unter der Satire brodelt die Kloake des allgemeinen Ungeists. Im Wiederholen und Weiterspulen der Sätze mäandert das Gesagte zum Irrwitz, und die Figuren werden zu Karikaturen im Regierungslachkabinett. Dabei scheint ihnen die Übertreibung nichts anzuhaben. Auf erschreckende Weise real, reden sie über exakt gar nichts. Irgendwoher kommt einem das alles bekannt vor. Hat der Autor die täglichen Nachrichten kopiert?
1D 3H
Komödie, Schauspiel