„Wie praktisch, dass wir jetzt einen Hund haben! Der muss sowieso raus, du kannst joggen und er kann dich begleiten!“
Ulrich und Angelika genießen ihren Ruhestand. Bis zu dem Tag, an dem Bruno ins Haus kommt, der Hund von Ulrichs Bruder. Bruno macht was er will, breitet sich im Bett aus, zerfetzt jeden Tag Schuhe und andere Textilien und lässt seinen Trieben freien Lauf. Täglich geraten sich Herrchen und Frauchen über die Erziehung des verwöhnten Vierbeiners in die Haare. Haben sie das notwendig gehabt? Bruno muss weg, aber der Abschied gestaltet sich gar nicht so einfach.
ausführliche Beschreibung
Ulrich und Angelika sind seit vierzig Jahren glücklich verheiratet, haben hart gearbeitet, die Kinder sind längst aus dem Haus – jetzt wäre es an der Zeit, sich sämtliche aufgeschobene Träume zu erfüllen und ihr eigenes Leben zu führen. Wenn da nicht Bruno wäre, der Hund von Ulrichs Bruder, den die beiden gutwillig aufgenommen haben, um ihn vor dem Tierheim zu bewahren. Von Anfang an werden klare Regeln aufgestellt, an die sie sich beide strikt halten wollen. Auf keinen Fall soll Bruno vermenschlicht werden. Da sind sie sich einig, aber nicht lange. Denn bald bestimmt der neue Mitbewohner den Tagesablauf und bringt das Leben der frischgebackenen Hundebesitzer komplett durcheinander. Sämtliche Vorsätze, bei der Erziehung an einem Strang zu ziehen, scheitern im Vorfeld. Schon bei der Entscheidung, ob Bruno aufs Sofa darf oder nicht, gibt es grobe Meinungsverschiedenheiten. Ulrich gefällt Angelikas nachlässiger Umgang mit dem verwöhnten Vierbeiner gar nicht. Angelika erlaubt dem Hund alles, was sie ihm verbietet. Bruno verteilt hemmungslos seine Haare auf dem Sofa, auf dem Ulrich kein Krümelchen hinterlassen darf, Bruno breitet sich im Bett aus, während er selbst sich an den Rand zwängen muss. Und auf ihre klugen Ratschläge, endlich Sport zu treiben und Bruno zum Joggen mitzunehmen oder beim Gassi-Gehen soziale Kontakte zu knüpfen, kann er auch gerne verzichten. Angelika verhätschelt den blöden Köter nach Strich und Faden und merkt gar nicht, dass ihr Bruno auf der Nase herumtanzt. Besuche bei Freunden werden gestrichen, das ohnehin karge gesellschaftliche Leben hat ein Ende, weil man Bruno ja nicht allein lassen will. Ulrich kennt seine Frau nicht wieder. Als er zerzaust heimkommt und Brunos Attacken auf einen friedlichen Schäferhund schildert, nimmt Angelika das arme Tier in Schutz und betreibt psychotherapeutische Analysen an seiner geschundenen Hundeseele.
Doch ihre anfängliche Euphorie weicht einem wachsenden Unmut, als Bruno beginnt, systematisch ihre Schuhe zu zernagen. Und nach ihrem ersten Ausgang mit Bruno stellen sich auch bei ihr berechtigte Zweifel ein. Bruno wollte - seinen männlichen Instinkten folgend - die Pudeldame aus dem Nachbarhaus beglücken, die im letzten Moment durch die Katzenklappe flüchten konnte, was den in seiner Männlichkeit ungebremsten Vierbeiner anspornte, die Eingangstür zu zerkratzen und die Nachbarin beim Öffnen der Tür anzupinkeln. Angelika ist schockiert über diese ungebremsten Triebe und zieht durchaus in Erwägung, Bruno wieder an Ulrichs Bruder zurückzugeben oder sogar ins Tierheim abzuschieben. In jedem Fall soll er kastriert werden. Jetzt ist es Ulrich, der seinen vierbeinigen Geschlechtsgenossen in Schutz nimmt, weil er sich in seinem Verständnis als Mann angegriffen und bedroht sieht.
Haben sie das notwendig gehabt? Dauernd gibt es Streit und Zwist wegen Bruno. Sie projizieren jedes Fehlverhalten gegenüber dem Hund rückwirkend auf die Erziehung der Kinder und geraten sich täglich mehr in die Haare. Längst verjährte Versäumnisse werden aufgerollt, und dabei kommen Dinge ans Tageslicht, die ihre Ehe nach vier Jahrzehnten ungetrübten Glücks in Frage stellen. Wie war das etwa mit dem inszenierten Heiratsantrag und den fünfzig Rosen, oder der angeblich drei Mal vergessenen Pille, die zu Angelikas Schwangerschaft mit Frederike und in Folge Amelies geführt hat? Bruno nagt an den Nerven von Herrchen und Frauchen und zersetzt durch seine Anwesenheit die eheliche Harmonie. Ein Textil nach dem anderen muss dran glauben, und als der dumme Köter einen Socken verschluckt, muss er sogar notoperiert werden. Jetzt reicht`s aber. Die verzweifelten Hundeeltern kapitulieren. Bruno muss weg. Vielleicht findet sich für den haarigen Störenfried ja ein neues Zuhause. Da kommt ein Angebot aus der Ferne. Ulrichs Bruder hat ein neues Opfer gefunden. Bruno soll zu einer entfernten Cousine. Angelika und Ulrich atmen auf. Doch als die Stunde des Abschieds näher rückt, lernt Angelika eine Seite ihres Mannes kennen, die sie nie vermutet hätte.