Auf die Kinder

Katrin Wiegand

Eine Vier- Personen-Komödie über Gerüchte, die sich zu Unwahrheiten verdichten.
„Na ja … ich meine natürlich nicht, dass Kinder keine Verantwortung für ihre Eltern übernehmen sollen … wenn sich das mit dem Beruf vereinbaren lässt …“
Laura und Tim heiraten. Die Brauteltern treffen sich in regelmäßigen Abständen und beraten lautstark über die Kinder. Doch da prallen Welten aufeinander zwischen dem bodenständig konservativen Elternhaus von Tim und Lauras Familie aus der intellektuellen Upperclass. Die Schwiegereltern wollen natürlich nur das Beste für die Kinder. Die aber leben ihr Leben ganz anders. Und sind wahrscheinlich glücklicher.
ausführliche Beschreibung
Laura und Tim wollen bald heiraten. Doch was ist schon das Brautpaar gegen die Brauteltern? Vor der Hochzeit treffen sich Tims Eltern Klaus und Sandra immer wieder mit Jennifer und Ulf, den Eltern von Laura, um über die Zukunft der Kinder zu beraten. Schon bei der ersten Begegnung in einem schicken französischen Restaurant ist klar: Hier prallen zwei Welten aufeinander. Klaus, der bodenständige Bauunternehmer, ist gewohnt, anzupacken. Ulf, der intellektuelle Universitätsprofessor, schwebt mehr auf der geistigen Ebene. So unterschiedlich wie die Männer sind auch ihre Frauen. Während Sandra, ganz entzücktes Hausmütterchen, der Hochzeit entgegenfiebert, ist die weit jüngere Jennifer, die zweite Ehefrau Ulfs, gar nicht so überzeugt von der frühen Bindung der Kinder. Die konträren Milieus der Schwiegereltern machen sich anfangs noch dezent, im Laufe der Zusammenkünfte jedoch immer stärker bemerkbar. Klaus und Sandra tappen von einem Fettnäpfchen ins andere, während Ulf und Jennifer die arrogante Überlegenheit der Upperclass ausstrahlen. Eines haben sie gemeinsam: Sie übertragen ihre Beziehungsmuster auf die Kinder und machen aus jeder Mücke einen Elefanten. Vermutungen werden zu unbestrittenen Gewissheiten. So hat Tim Ulfs Meinung nach, seine sexuelle Richtung noch nicht gefunden, während Laura in den Augen ihrer Schwiegermutter psychisch labil ist.

Als das ersehnte Enkelkind auf der Welt ist, verstärken sich die Animositäten. Sandras bewährtes Know-how über die Kindererziehung lässt sich mit den neumodischen Ansichten Jennifers so gar nicht vereinbaren. Ein harter Konkurrenzkampf der Omis ums Babysitten bricht aus, und jede Zusammenkunft endet in einem lautstarken Krach. Als herauskommt, dass Laura und Tim getrennte Schlafzimmer haben, gibt es keinen Zweifel: die Ehe der Kinder ist gescheitert. Und natürlich haben das die allwissenden Eltern ja längst vorausgesehen. Kein Wunder, bei einer hysterischen Schwiegertochter, die am Baby-Blues leidet, kein Wunder bei einem Schwiegersohn, der schwul ist. Der Gipfel ist, dass Laura mit einem Freund auf Urlaub fährt, während Tim das Baby hütet. Die geplagten Eltern bereiten sich auf die Scheidung vor. Doch allen Unkenrufen zum Trotz bleiben Laura und Tim zusammen. Die Vier verstehen die Welt nicht mehr. Ja, und wo sind eigentlich die Kinder, um die es ständig geht? Die tauchen im Stück nie auf. Sie führen ihr Leben so, wie sie es für richtig halten. Und scheinen damit glücklicher zu sein als ihre Eltern ... bei denen so manches ans Tageslicht kommt ...

Katrin Wiegand nimmt ein gesellschaftliches Phänomen aufs Korn: Gerüchte. Die an- deren wissen alles besser als jene, um die es geht. Aus dieser Beflissenheit, die sich als Interesse tarnt, erwachsen Vermutungen, die mit der Wahrheit nichts mehr zu tun haben und zu mittleren Katastrophen wachsen. Natürlich bieten besorgte Brauteltern, die nur das Beste für ihre Kinder wollen, zündenden Komödienstoff. Manches mag sich ja in der Liebe nie ändern, doch die junge Generation geht nun einmal andere Wege als die ältere, auch in Beziehungen. Und wer weiß - vielleicht macht sie‘s sogar besser?
2D 2H
Komödie
UA: 17.11.2018, Theater Wedel