Venedig im Jahre 1756. Es ist Winter, der Karneval hat eben begonnen …
Auf dem Campiello, einem kleinen Platz mit einem Wirtshaus, stehen ein paar Häuser, deren Bewohner arme Leute sind. Ihre Schicksale sind miteinander verwoben, ihre Freuden und Sorgen sind die gleichen. Sie streiten und lieben sich, sie zanken und verbrüdern sich.
Der junge Zorzetto, Sohn der Palatschinkenköchin Orsola, liebt die jungfräuliche Gnese, Tochter der Donna Pasqua. Lucietta, Tochter der Donna Catte, ist mit Anzoletto verlobt. Liebe und Eifersucht bestimmen den Alltag, dessen Krönung die Hochzeitsfeste sind.
Gasparina und ihr Onkel Fabrizio halten sich für etwas Besseres. Ein Cavaliere bringt Unruhe in das kleinbürgerliche Treiben. Er macht sowohl Müttern als auch Töchtern den Hof und verteilt großzügig Verlobungsringe. In seinem überheblichen Leichtsinn treibt er das Spiel mit den Eheversprechungen zu weit und bezahlt mit einer messerscharfen Drohung Anzolettos. Fabrizio, der die Güter bankrotter Adeliger aufkauft, hilft ihm aus der Klemme. Der Preis ist seine Nichte Gasparina, die längst unter die Haube muss.
ausführliche Beschreibung
Herwig Reiter:
Das Verdienst Peter Turrinis ist es, die literarisch fulminante Vorlage Goldonis in die Sprache und Gedankenwelt unserer Zeit übertragen zu haben. Dabei entstand im Grunde ein neues Stück mit veränderter Aussage. Die menschlichen Schwächen der „niederen“ Schicht scheinen bei Turrini nicht mehr so ausschließlich in üblen Charakterzügen, sondern vor allem in ihren Lebensumständen und sozialen Umfeldern zu wurzeln. In seinem Spott schwingt auch Hochachtung vor Überlebensstrategien und Witz seiner Gestalten mit. Und zumindest am Schluss der Komödie merkt man auch seine Sympathie für die „reifere“ Liebe älterer Menschen.
Analog zur Vorgangsweise Turrinis habe ich etwas Ähnliches mit der alten Nummernoper versucht: Ich habe die Trennung von rezitativischen und ariosen Teilen wieder zu Ehren kommen lassen, in den Dialogen Sprechtempo vorgesehen, für die Arien echte Melodien komponiert und es in der Musik, wie in der opera buffa seit altersher Brauch, auf dankbare Rollen für die elf Protagonisten angelegt. Aber es ging mir, so wie Turrini, nicht um ein Spiel mit historischen Motiven oder eine Wiederaufnahme der historischen Form, sondern darum, was man in der heutigen musikalischen Situation daraus entwickeln kann.
„Peter Turrini (liefert) eine deftig-lustige deutsche Textfassung, die Goldonis sozialkritische Volkstümlichkeit messerscharf trifft. Zuweilen glaubt man … eine Art Kaisermühlen-Blues auf venezianisch zu erleben – wären da nicht Reiters enorm schwungvolle, 'klassisch' aufgebaute, bunte Opermusik“
Andrea Hein, Kronen Zeitung, 5. Mai 2010