Das Alter ist nur eine Zahl

Stefan Vögel

Eine kluge Komödie über die ungleiche Akzeptanz jüngerer LebenspartnerInnen im ewigen Kampf der Geschlechter.
„Wieso – wäre es denn so schlimm eine Affäre mit mir zu haben?“
Warum sollen ältere Frauen nicht Männer haben, die ihre Söhne, während ältere Männer Frauen haben, die ihre Töchter sein könnten? Nach ihrer Scheidung von Leo hat die 50-jährige Vera gemeinsam mit ihrem langjährigen Freund Mauritz ein Unternehmen gegründet. Jetzt verkaufen sie die Firma zu einem Sensationspreis. Leo will seine junge Freundin Janica verlassen und zu Vera zurückkehren, doch Vera geht auch privat längst neue Wege: mit dem attraktiven Deutsch-Italiener Andrea. Ein gemeinsames Essen soll endlich Frieden stiften und alle Vorbehalte aus dem Weg räumen. Doch der Abend läuft nicht ganz nach Veras Plan.
ausführliche Beschreibung
Als Leo zu seiner Ex-Frau Vera zurückwill, kann Vera nur abwinken. Sie hat nach der Scheidung zwei Jahre zuvor neu durchgestartet und mit ihrem langjährigen Freund Mauritz ein Unternehmen für luxuriöse Second-Hand-Ware gegründet. Jetzt stehen sie vor einem lukrativen Verkaufsangebot. Vera darf sich über ihren Anteil in Millionenhöhe freuen und ist bereit für weitere Geschäfte.

Auch privat hat sie neue Wege beschritten. So wie Leo, der Vera für die jüngere Balkanschönheit Janica verlassen hatte, hat sich Vera den jüngeren Deutsch-Italiener Andrea geangelt. Leo kann sich beim Anblick seines Nachfolgers spitze Bemerkungen nicht verkneifen und interpretiert den sympathischen Adonis als einen Racheakt Veras. Mauritz schielt gekränkt auf den feschen Andrea, weil er immer schon für Vera geschwärmt hat und wieder nicht zum Zug kommt. Andreas Eltern meiden die Flamme ihres Sohnes. Veras Mutter und Schwester äußern sich skeptisch. Und selbst Andreas‘ Vertrauen in die Beziehung ist brüchig. Ist er für Vera nur ein Sexual-Objekt? Und wenn schon? Warum darf eine Frau mit fünfzig plus keinen Mann in den Dreißigern haben, während sich der Ex-Mann mit Bauchansatz eine zwanzig Jahre Jüngere gönnt?

In beiden Beziehungen kriselt es. Die Älteren beäugen eifersüchtig die Jüngeren, die Jüngeren fühlen sich durch die Vertrautheit der Älteren ins Abseits gedrängt. Regt sich das Begehren nur beim Anblick glatter Haut, oder auch bei dem, was hinter den Falten steckt? Und ist das Alter wirklich nur eine Zahl? Ein gemeinsames Essen soll alle Vorbehalte aus dem Weg räumen. Vera ortet angesichts der rassigen Janica fortgeschrittene Überforderung bei ihrem Ex-Leo. So wie einst Vera, findet Janica bei Leo wenig Rückhalt für ihre beruflichen Pläne. Mauritz hingegen, der sich angeblich nichts aus jungen Frauen macht, will Janicas Geschäftsidee einer Online-Strick-Community prüfen. Die Prüfung geht allerdings
weit über das Geschäftliche hinaus, denn Janica setzt ihre jugendlichen Reize gekonnt ein.

Um ihr Ziel zu erreichen, verlässt sie Leo. Vera wird als Geschäftspartnerin links liegen gelassen. Als Mauritz einen Rückzieher macht und die Affäre mit Janica leugnet, ist es Vera, die sich für das Projekt jener Frau starkmacht, die ihr den Ehemann ausgespannt hat. Vera ist vermögend und frei. Andrea hat sie längst den Laufpass gegeben. Und von Mauritz ist sie als Freund und Geschäftspartner enttäuscht. Nach Janicas Rückkehr zu Leo kündigt sich auffallend schnell Nachwuchs an. Vera versöhnt sich mit Mauritz. Und als sein Sohn Hendrik auftaucht, scheint erneut frischer Wind ins Geschehen zu kommen ...

Stefan Vögel spricht ein Machtwort in der ungleichen Akzeptanz jüngerer Lebenspartner. Männer werden im Großvater Alter munter Väter spätgeborener Sprösslinge mit Frauen, die ihre Töchter sein könnten, während Frauen schief angesehen werden, wenn ihre Liebhaber im Alter ihrer Söhne sind. Selbst von Frauen. Und auch wenn vordergründig fortschrittliche Toleranz demonstriert wird, lauern im Hintergrund nicht Ablehnung, Neid und Vorurteile? Eine pointierte Entlarvung von zweierlei Maß in der gesellschaftlichen Bewertung von Alt und Jung im partnerschaftlichen Geschlechterreigen. Wie denkt man und frau wirklich?