Stefan Vögels Ausflug in die klassische Märchenwelt hat sich gelohnt: witzig, modern und fabelhaft!
Kronprinz Cölestin von Transmontanien hält sich für den Schönsten und Klügsten im Lande. Königin Helena ist als Alleinerzieherin überfordert. Die Eitelkeit des Prinzen treibt auch Heinrich, der für Cölestin und dessen Bruder Rüdiger als Lehrer engagiert ist, zur Verzweiflung. Rüdiger ist nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen. Der gutmütige Zweitgeborene will Sänger werden. Cölestin hingegen, der längst unter die Haube sollte, ist sich für alles zu erhaben. Keine Prinzessin ist ihm gut genug.
Um ihm die Hoffart auszutreiben verwandelt ihn die Zauberin Minerva in einen Frosch. Nur ein seelenverwandter Mensch, der ihn aufrichtig liebe, kann den Zauber rückgängig machen.
ausführliche Beschreibung
Die Suche nach Erlösung bringt Cölestin in das Königreich Cistercensien. Hier regiert König Adalbert, der sich als Witwer mit seinen drei Töchtern die Haare rauft. Kronprinzessin Alva hat nichts als ihre Erfindungen im Kopf, Bella strapaziert die königlichen Ohren mit schrägen Kompositionen, und Nesthäkchen Stella macht überhaupt, was es will. Dass er von seinem Kämmerer Ansgar und dessen Handlanger Igor hintergangen wird, merkt der gestresste Vater gar nicht. Ansgar hat es auf die Kronprinzessin abgesehen und treibt hinter Adalberts Rücken krumme Geschäfte. Da passt es dem Intriganten gar nicht in den Kram, als Cölestins Bruder Rüdiger als Bräutigam angesagt ist. König Adalbert und Königin Helena haben ein Machtwort gesprochen. Die Kinder müssen heiraten. Da Cölestin verschollen ist, rückt Rüdiger nach. Der hat gar keine Ambitionen auf den Thron und ist auf der Suche nach seinem verschollenen Bruder. Heinrich, der sich wegen seiner folgeschweren Verwünschung Vorwürfe macht, begleitet ihn. Dass der komische Quaker im Brunnen, bei sie Rast machen, sein Bruder ist, ahnt Rüdiger nicht.
Auch Stella vermutet hinter dem Frosch keinen Prinzen. Als ihr Ball in den Brunnen plumpst, macht sie großzügige Versprechungen: Er könne von ihrem Tellerchen essen, aus ihrem Becherchen trinken und in ihrem Bettchen schlafen, wenn er ihr nur ihren geliebten Ball aus dem Wasser hole. Stella staunt nicht schlecht, als der Frosch bei Alvas Verlobung erscheint. König Adalbert setzt strenge Erziehungsmaßnahmen. Stella müsse Wort halten. Er lädt den seltsamen Gast zu Tisch und toleriert, dass er ins Bett der Tochter hüpft. Stella, die als einzige mit Cölestin sprechen kann, wird dieses glitschige Wesen immer lieber. Und Cölestin gefällt das verwöhnte Prinzesschen auch immer besser. Er darf sich nur nicht verraten, sonst wäre die Rückverwandlung gefährdet.
Ansgar will Rüdiger aus dem Weg räumen. Davon hat nicht nur die kluge Zofe Minna Wind bekommen, sondern auch Frosch Cölestin. Es wird Zeit, dass er an die Wand geworfen wird. Das tut Stella, als der freche Frosch immer näher rückt, und traut ihren Augen nicht. Alle bekommen, was sie verdienen: Ansgar und Igor werden vertrieben, der singende Rüdiger schließt die komponierende Bella in die Arme, Alva bleibt Single und erfindet Wettermaschinen, und Cölestin macht Stella zur Königin. Und bei Heinrich und der Zofe Minna hat es auch gefunkt. Und wenn sie nicht gestorben sind ...
Vögel erzählt den Froschkönig heutig, modern und unkonventionell. Spritzig und witzig die Dialoge, komisch und lebensnah die Figuren. Und natürlich gibt es ein Happy-End. Die Bösen verlieren, die Guten gewinnen, und jeder Prinz findet seine Prinzessin.
„Wo der Froschkönig zum Krimi wird“
FAZ, 2018