Global Player

Stefan Vögel

Erst gefeiert, dann gefeuert.
„Manchmal hab ich das Gefühl, die da oben wissen nicht mal, dass es uns gibt.“
Willi wird nach 45 Arbeitsjahren mit Treuebonus und Dankeschön entlassen. Als er die oberste Etage stürmt, wird er für den erwarteten großen Investor Meyers gehalten und landet direkt im Chefsessel. Als „Global Player“ mit Herz und Verstand rettet er die marode Firma im Nu, befördert seine Freunde und schickt die korrupten Spitzenmanager, die auf den Schultern der Angestellten abzocken, in den Knast. Eine turbulente Finanzkomödie, aktueller denn je!
ausführliche Beschreibung
Willi Hauptmann feiert sein 45jähriges Jubiläum als Planungszeichner der Traditionsfirma Jacobi. Doch seit der Gründung durch den legendären Jacobi-Senior, hat sich manches geändert. Loyalität und Handschlagqualität sind Fremdwörter geworden. Der Junior hat nur noch Sportwagen im Kopf und glänzt durch Abwesenheit. Das Unternehmen ist am Boden, die Aktien im Keller, das neue Schlagwort heißt Umstrukturierung. Im Klartext bedeutet das Kündigung, und die hält der „Mann der ersten Stunde“ just an seinem Ehrentag mit einem herzlichen Dankeschön samt Urlaubs-Bonus in der Hand. Willis treue Kollegen Manni, ein chronischer Pessimist, und Paulchen, der stille Erfinder eines neuen Navigationssystems, sind fassungslos.

In der Vorstandsetage schmieden inzwischen der aalglatte Dr. Kloibner und die kühle Dr. Schmitt eine Exit-Strategie für ihren lukrativen Abgang: Der sagenumwobene Großinvestor Warren Meyers, der Milliardär ohne Gesicht, der größte Leichen-Fledderer maroder Unternehmen, soll die Aktienmehrheit an Jacobi übernehmen und den Kurs der Papiere ein letztes Mal in die Höhe treiben, ehe die Ratten im richtigen Moment das sinkende Schiff verlassen. Doch die korrupten Spitzenmanager haben die Rechnung ohne den einfachen Arbeiter gemacht. Als Willi das Vorstandsbüro stürmt, wird er für den berüchtigten Warren Meyers gehalten und landet direkt im Chefsessel. Der „Global Player“ packt die Chance, verbündet sich mit der Sekretärin Frl. Ulrich, tarnt Manni und Paulchen als externe Berater und hat in kürzester Zeit nicht nur die „blutleeren Hyänen“ Kloiber und Schmitt, sondern auch die Aktienmehrheit fest in seiner Hand.

Er setzt ein wahres Kursfeuerwerk in Gang und lenkt die Firma im Eilschritt ins Plus. Doch als sich just der Fensterputzer als scheinbar richtiger Warren Meyers outet, wird‘s eng in der Chefetage. Nun sitzt Willi mit den Piraten im selben Boot und verliert das Vertrauen seiner besten Freunde. Kloiber und Schmitt befördern den zweiten Meyers, der als „Trittbrettfahrer“ genau so falsch ist wie Willi, per Fenstersturz ins Jenseits. Sie zwingen Willi, seine Rolle als Meyers weiterzuspielen, verpassen aber selbst den lukrativen Absprung. Nach vielen Turbulenzen lenkt Willi geschickt die Geschehnisse zum Guten und ist heilfroh, wieder zu seiner Werkbank zurückzukehren. Frl. Ulrich übernimmt den sanierten Laden, seine Freunde werden befördert, Schmitt und Kloiber landen im Knast und der „Global Player“ kann endlich beruhigt auf Urlaub fahren. Bleibt die Frage: Wer und wo ist dieser Warren Meyer?

Stefan Vögel entlarvt in seiner turbulenten Finanz-Komödie die Machenschaften korrupter Spitzenmanager, die auf dem Rücken der Angestellten ihre schmutzigen Geschäfte treiben. Unter Deckwörtern wie Kostensenkung und Outsourcing werden kaltblütig Arbeiter gekündigt, heruntergewirtschaftete Unternehmen von „Phantom-Investoren“ übernommen, während in den Chefetagen kräftig abkassiert wird. Der einzelne Mensch im Unterdeck zählt nichts und wird oben nicht einmal vermisst, weil ihn ohnehin niemand kennt. Nur liebenswerte Urgesteine wie Vögels Protagonist Willi geben Grund zur Hoffnung, wenn man einen „Global Player“ seines Formats auch nur in der heilen Welt des Theaters finden wird.
„ … wenn er die großen Macher verhandeln und schwitzen lässt, ist der geschulte Dialogschmied ohnehin in seinem Element.“
Vorarlberger Nachrichten, 2004
2D 7H
Komödie, Schauspiel
UA: 21.05.2004, Komödie im Marquardt, Stuttgart
ÖEA: 18.03.2025, Freie Bühne Wieden, Wien