In alter Frische

Stefan Vögel

Eine herzerwärmende Geschichte mit starken Pointen und leisen Zwischentönen.
„Okay, das reicht. Wir spielen hier Trivial-Pursuit und nicht Klassenkampf.“
Ludwig von Schwitters verbringt als seine Tage im Seniorenheim. Dort geht’s rund beim wöchentlichen Trivial Pursuit-Spiel. Schwester Isolde rauft sich die Haare: Rappende Oldies, ein alter Tyrann, der zu vorgerückter Stunde seines Lebens einsichtig wird und eine junge Frau, die sich selbst am Schopf packt. Und eine späte Amour zwischen dem alten Blaublut und der tanzfreudigen Heim-Kollegin Elisabeth ist auch nicht ausgeschlossen.
ausführliche Beschreibung
Ludwig von Schwitters-Elblingens glorreiche Zeit als Direktor einer Eliteschule gehört der Vergangenheit an. Die Gegenwart verbringt der verarmte Ritter in der Seniorenresidenz Freudenau, wo er Insassen und Personal kräftig auf Trab hält. Jeden Sonntag versammelt sich eine vierköpfige Rentnerclique zum Trivial Pursuit-Spiel in Ludwigs Zimmer. Dass der ehemalige Lehrer sein Vermögen verprasst und seine Tochter seit dreißig Jahren nicht mehr gesehen hat, weiß nur Elisabeth.

Die einzige Dame des illustren Seniorenquartetts hat große Mühe, Ludwigs Verbalattacken auf den pensionierten Bahnhofsvorsteher Klinke, und Lojewskij, einen unerbittlichen Verfechter der alten Rechtschreibung, abzuwehren. Der Waffenstillstand hält trotz der robusten Präsenz von Schwester Isolde nur bis zum nächsten Spiel: Während er mit Klinke, der die Fragen nicht lesen kann, und Lojewskij, der alles beantwortet außer die gestellten Fragen, Klassenkämpfe austrägt, wirft man Ludwig seinerseits snobistisches Verhalten vor. Kein Wunder, denn der ehemalige Aristokrat lässt sich sein Sonntags-Menü aus dem Restaurant bringen, um den knödelfetischistischen Heimkoch zu entkommen.

Als eines Tages statt seines gewohnten Essensboten die junge Paula in der Tür steht, ist Ludwig verärgert. Er kränkt sich wegen des grußlosen Abgangs seines „Schülers“, den er durchs Studium gepaukt hat, und kann mit der alleinerziehenden Mutter, deren Bildungsniveau selbst Schwester Isoldes weibliche Reize noch unterbietet, nichts anfangen. Doch nach ersten Differenzen mit der rappenden Göre fühlt sich der alte Lehrer gefordert. Und auch in Paula, der sowohl der eigene als auch der Vater ihres Kindes fehlt, erwacht der Wunsch nach einem besseren Leben. Sie erkennt in dem alten Grantler wahre ritterliche Qualitäten, was sie an den Männern ihrer Generation deutlich vermisst. Paula beschließt, ihren Schulabschluss nachzuholen und büffelt unter Ludwigs strenger Patronanz Mathe.

Ludwigs Geburtstagsfest bringt nicht nur erfreuliche Überraschungen: Nach Torte, Champagner und eigens komponiertem Rap der „Freudenau-Combo“ erleidet der alte Babenberger-Spross, der vergebens auf seine Tochter gewartet hat, vor den Augen seiner Freunde einen Kollaps. Paula zittert um ihren Ersatzpapa und vollbringt ein dreifaches Wunder: Sie besteht die Prüfungen mit Bravour, legt die Weichen für eine späte Amour von Ludwig und Elisabeth und arrangiert den ersten Schritt zur familiären Versöhnung am Krankenbett. Wird Ludwigs Tochter auch den zweiten wagen und sich die Lebensbeichte ihres reuigen Vaters auf Tonband anhören?

Stefan Vögel jongliert in diesem charmanten Generationenstück zwischen Ernst und Komik und baut mit starken Pointen und leisen Zwischentönen die Brücken zwischen Jung und Alt. Rappende Oldies an der „Endstation“ des Lebens, eine junge Frau aus desolaten Verhältnissen, die einen sichtbaren Gesinnungswandel vollzieht und im Mittelpunkt ein blaublütiger Tyrann, der zur vorgerückten Stunde seines irdischen Daseins so manches gutzumachen hat und sein Herz öffnet.
„Stefan Vögel hat in seiner Komödie jede Menge Nachdenkliches verarbeitet, das aber mit leichter Hand.“
Delmenhorster Kurier, 2016
„Komik und Tiefgang …“
Göttinger Tageblatt, 2016
3D 3H
Komödie, Schauspiel
UA: 18.03.2016, Komödie Winterhuder Fährhaus, Hamburg