Liebe 360°

Stefan Vögel

Eine Familientherapie
„Nein, wer heiratet schon, wenn er sich nicht liebt? So nötig hatte ich es nun auch wieder nicht.“
Adrian kommt zu Besuch. Das bringt das angeschlagene Eheleben von Daniel und Hanne ganz schön durcheinander. Adrian ist Hannes Ex, vor langer Zeit waren sie ein Paar, heute ist er schwul und polyamourös. Er verteilt seine Liebe in der ganzen Familie. Nicht nur Macho Daniel und Hanne bekommen einen Kuss, sondern auch Tochter Lisa wird beglückt. Und das hat durchaus heilsame Wirkung auf die ganze Familie.
ausführliche Beschreibung
Die Franzens sind eine ganz normale Familie. Vater Daniel, Mutter Hanne, Tochter Lisa. Bis Adrian zu Besuch kommt, Hannes Jugendfreund, mit dem sie in den letzten 18 Jahren in vertrautem telefonischen Kontakt stand. Jetzt gibt es ein Wiedersehen. Das wirbelt die mittlerweile angestaubte Ehe von Daniel und Hanne ganz schön durcheinander. Nicht dass Daniel ein Comeback früherer Gefühle fürchtet, denn Adrian ist nicht mehr so ganz der Adrian von damals. Adrian ist schwul. Er hat nach der Trennung von Hanna seine Homosexualität geoutet, ein Umstand, der Daniel in Hinblick auf Hanna zwar belustigt, aber auch beruhigt, sodass er sich in gewohntem Machogehabe zurücklehnen und Fußballschauen kann. Dabei sollte er sich eigentlich um seine angeschlagene Ehe sorgen, denn Hanne hat einen Liebhaber, ein Geheimnis, das sie dem schwulen Exfreund sofort anvertraut. Und Adrian ist als gefragter Psychologe ja immerhin Experte in Sachen Gefühle. Daniel, der Homosexuellen nicht gerade tolerant gesinnt ist, wird neugierig und überwindet die Hemmschwelle zu seinem Gast: Wie kann ein Mann, der Frauen geliebt hat, in diesem Fall sogar seine eigene, Hanne, von einem auf den anderen Tag zum männlichen Geschlecht wechseln? Jeder Mann soll homoerotische Anteile in sich tragen, und Machos wie er würden diese angeblich unterdrücken und durch übertrieben männliches Gehabe kompensieren? Blödsinn! Oder doch nicht? Daniel wird unsicher. Ein Kuss von Adrian bringt ihn völlig ins Schleudern. Was war das bitte? Er, Daniel, hat einen Mann geküsst. Ist er jetzt schwul? Hanne stellt jedenfalls eine positive Veränderung bei ihrem einst geliebten Gatten fest. Er ist so friedlich und zuvorkommend und will selber Kaffee kochen.

Der Kuss hat bei Daniel etwas in Gang gesetzt: Er denkt nach: über sich und Hanne. Als auch Hanne in einem schwachen Moment ihren Ex küsst, steigt die Spannung. Nach beidseitigen Kussgeständnissen wird reiner Tisch im Eheleben gemacht, und längst verschüttete Gefühle kehren zurück. Doch aller guten Dinge sind drei: Auch Tochter Lisa wird vom polyamouren Küsser beglückt. Jetzt reicht‘s aber. Das gemeinsame Misstrauen und eine klare Aussprache mit dem allseits Verwirrung stiftenden Gast erwecken die abhanden gekommene Liebe wieder. Adrian reist ab. Nach erfolgreicher Mission. Denn kann ein erfolgreicher Psychologe wie er Beruf und Privates wirklich trennen?
2D 2H
Komödie, Schauspiel
UA: 24.09.2019, Freie Bühne Wieden, Wien