Neuerscheinungen im Czernin Verlag: „Ich fall mir selbst ins Wort“ von Renate Welsh und „Fallen lassen“ von Brigitte Schwaiger

Zwei richtungsweisende österreichische Autorinnen, zwei literarische Begutachtungen

„Ich fall mir selbst ins Wort“ handelt von einer unglücklichen Kindheit im Zweiten Weltkrieg, vom Gefühl der Unzugehörigkeit zwischen Wien und dem Ausseerland und einer jungen Halbwaisen, die ihren Vornamen trotzig gegen ein unpersönliches „Dieda“ getauscht hat. Renate Welshs gleichnamiger Erfolgsroman erschien erstmals 2002 und wird in ihrem neuen Buch einer literarisch bezwingenden Revision unterzogen. Den ursprünglichen Romantext hat die Autorin mit neuen Fragen und Erzählungen versehen und wir nehmen als Lesende teil an einem berückenden Zwiegespräch über alte Wunden und tröstliche Zuversicht, die Literatur und das Wesen der Erinnerung.

In „Fallen lassen“ lernen wir die frühere Bestsellerautorin Brigitte Schwaiger als Patientin der Psychiatrie kennen. Ihre Schilderungen handeln von verständnislosen Ärzten und gescheiterten Therapieversuchen, von flüchtigen Glücksmomenten, der Angst zu leben und dem notwendigen Zorn angesichts der anhaltenden Tabuisierung psychischer Erkrankungen. Schwaigers eindrückliche Bekenntnisse haben seit ihrem ersten Erscheinen 2006 nicht an Brisanz und Aktualität verloren, wie Andrea Winkler in ihrem eigens für die Neuausgabe entstandenen Nachwort hervorhebt. Schonungslos ehrlich und mit großem Nachdruck trotzt „Fallen lassen“ den Zumutungen der kapitalistischen Leistungsgesellschaft, spendet Trost und plädiert für eine unvoreingenommene und selbstbewusste Sicht auf psychische Erkrankungen.  –09.09.2025