Fallen lassen

Brigitte Schwaiger

Brigitte Schwaigers persönliche Notizen über ihren Aufenthalt in der Psychiatrie
„Ich bin in die Psychiatrie gegangen in der Hoffnung, dort sprechen zu können eines Tages. In der Psychiatrie aber ist man 'krank', sonst wäre man nicht dort …“
In „Fallen lassen“ lernen wir die frühere Bestsellerautorin Brigitte Schwaiger als Patientin der Psychiatrie kennen. Ihre Schilderungen handeln von verständnislosen Ärzten und gescheiterten Therapieversuchen, von flüchtigen Glücksmomenten, der Angst zu leben und dem notwendigen Zorn angesichts der anhaltenden Tabuisierung psychischer Erkrankungen.

Schwaigers eindrückliche Bekenntnisse haben seit ihrem ersten Erscheinen 2006 nicht an Brisanz und Aktualität verloren, wie Andrea Winkler in ihrem eigens für die Neuausgabe entstandenen Nachwort hervorhebt. Schonungslos ehrlich und mit großem Nachdruck trotzt „Fallen lassen“ den Zumutungen der kapitalistischen Leistungsgesellschaft, spendet Trost und plädiert für eine unvoreingenommene und selbstbewusste Sicht auf psychische Erkrankungen.
„Von der ersten Zeile an wissen wir, wo wir sind: im Kosmos einer Person, die sich selbst als krank, irre geworden an einem anderen empfindet und beschreibt, aus dem Bedürfnis heraus, dieses Leiden mitzuteilen, und im Bewusstsein, dass es so viele andere gibt, die ebenfalls davon betroffen sind, aber keine Stimme haben, es zu äußern.“
Andrea Winkler im Nachwort, 2025
„Mehr als um ihren persönlichen Zustand, mehr auch als um den Zustand der österreichischen Psychiatrie geht es um die soziale Dimension einer Krankheit, die zum Spiegel unserer Gesellschaft wird ... ein unbequemer und ruppiger Text ... ein Buch, das sich nie larmoyant oder wehleidig, aber oft genug verzweifelt wütend gibt und mit manchem Tabu bricht ... Brigitte Schwaiger hat ein beklemmendes, ein atemberaubend wahrhaftiges Buch geschrieben.“
Döris Plöschberger, Der Spiegel, 22. Dezember 2006
„Schwaiger enttabuisiert nicht nur das Leiden, sondern auch die Kunst.“
Alois Brandstetter, Schriftsteller
„Der Betrieb hat sie fallen lassen, das ist Jahrzehnte her. Fallen gelassen, hat Brigitte Schwaiger lang geschwiegen. Jetzt meldet sie sich wieder zu Wort, aber verstörend.“
Peter Henisch, Die Presse, 25. November 2006
„‚Fallen lassen‘ bekommt euphorische Kritiken und wird zum zweiten Erfolg der Brigitte Schwaiger.“
Johanna Rachinger, Kurier, 11. Dezember 2010
„Eindringlich ist Schwaigers Beschreibung eines Teufelskreises, der den Erkrankten zwischen Fremd- und Selbstverachtung gefangen hält.“
Isabella Pohl, Der Standard, 27. Juli 2010
„Das, was das tagebuchähnlich strukturierte Buch so lesenswert macht – so man sich darauf einlässt – ist die beklemmende Perspektive, dass es sich um eine Ausnahmesituation handelt, die nur allzu schnell jedem widerfahren kann.“
Ö1, 2007
2008 bearbeitete Lukas Cejpek für den ORF das Buch zu einem Hörspielmonolog.
Verfilmung
Dramatisierung
Czernin Verlag ↗