Dracula, Dracula

Ein transylvanisches Abenteuer

H. C. Artmann

H .C. Artmann spielt mit abgegriffenen Genres und wohlbekannten Sujets und treibt das Klischee mit dem Klischee selber aus. So lässt Artmann den jungen Sir Johann Adderley Bancroft sich mit seiner Verlobten Edwarda Cornwallis auf den Weg zum Grafen Dracula machen. Wenig später werden Bancroft und Edwarda Zeugen allerseltsamster, schauriger Hochzeitsbräuche.

1966 erschien Artmanns „Dracula, Dracula“ mit Radierungen von Uwe Bremer. Der Text wurde vielfach aufgeführt, berühmt sind die Darbietungen von Artmann selbst und von Erwin Steinhauer, musikalisch begleitet von Georg Graf und Peter Rosmanith (2008 als CD im Mandelbaum Verlag erschienen).
„Was mich zum Horror hinzieht, ist das Geheimnis, das Dämmrige, dieser Dämmerzustand zwischen hell und dunkel. Das Unerwartete, das nicht zu Erwartende, das dann doch eintrifft oder was vielleicht nicht eintrifft, das ist das, das mich am Horror reizt … Mein Horror ist der Durchgangshorror, der romantische, das verstehen die Leute aber nicht und sagen ah, sehr makaber. Ich bin überhaupt nicht makaber … ich muss mit dem Image des Makabren leben.“
H. C. Artmann
„Sämtliche Klischees des Dracula-Mythos werden von H. C. Artmann bedient, der dieses 'transsylvanische Abenteuer' um Sir Johann Adderley Bancroft selbst einst auf Band sprach. Da gibt es den Moderduft, es gibt Knarzen und Knarren, rasselndes Transsylvanisch, Särge sonder Zahl, den leichenhaften Irgor, das unschuld'ge blonde Opfer, den infernalischen Fürsten und die schaurige Nacht. Da wird reichlich parodiert und kunstvoll jongliert mit den Schröcknissen und Abscheulichkeiten im 'Shangri-La allen Bösen' (Artmann).“
Der Standard, 2009