kein pfeffer für czermak

Ein Votivsäulchen für das goldene Wienerherz

H. C. Artmann

Artmann kratzt mit scharfem Witz an der glänzenden Oberfläche des goldenen Wienerherzens, und alsbald kommt darunter wertloses Blech zum Vorschein.
Artmann führt uns an die Peripherie, in eine Greißlerei in Heiligenstadt. Hier regiert Herr Gschweidl, ein Prototyp der Hinterfotzigkeit, ein Herrgott hinter der Budel, der seine kleine Macht groß ausspielt: gegen sein Mündel Carolin, die er drangsaliert, denn er will ja, „dass einmal was wird aus ihr“, gegen seine Kunden, denen er grundsätzlich nichts verkauft, schon gar nicht dem Czermak, dem böhmischen Haderlumpen, auch wenn's nur ein Packerl Pfeffer ist. Nur sein Mündel verscherbelt er ohne große Sentimentalität an die nächstbeste Koberin.
„Eine köstliche Paraphrase auf das Wiener Zaubertheater und eine bissige Persiflage auf Jedermann-Klischees.“
Arbeiter-Zeitung
„Man spürt da eine Verwandtschaft zu Herzmanovsky-Orlando … Vielleicht kann man diesen Einakter als ein surrealistisches Märchen bezeichnen, das via Pradl über den Moritatenstil ins heimische Gwölb der Vorstadtdramatik fand. Man weiß da nie, ob das Jungsche Tiefenpsychologie oder einfach ein Gspaß ist.“
Karl Maria Grimme
7D 4H
1 Dek.
Schauspiel
UA: Theater am Fleischmarkt, Wien, 1958