Die Ungehobelten

(I rustegi)

H. C. Artmann / Carlo Goldoni

„Ein einziger Blick von mir, und mein Mann kapiert, dass er mich verstanden hat!“
Vier störrische Venezianer, festgefahren in Tradition und Männerstolz, wollen mit eiserner Hand über ihre Familien bestimmen. Sie misstrauen dem Theater, dem Fortschritt – und vor allem den Frauen. Doch die Damen von Venedig haben längst ihre eigenen Pläne. Zwischen arrangierten Ehen, verbohrten Patriarchen und rebellischen Bräuten entspinnt sich ein köstlich-komisches Gefecht der Geschlechter.

Goldonis Gesellschaftssatire wird in der Artmann-Fassung zur wortgewaltigen Auseinandersetzung zwischen sturen Gschaftlhubern und listigen Damen – mit grantelnden Altvätern, sprachgewitzten Frauen und einem Hauch Wiener Süffisanz. Statt höfischem Ton gibt’s deftigen Dialekt, der dem Humor das nötige Rückgrat verleiht.
ausführliche Beschreibung
Im Hause des Herrn Lunardo herrscht ein rauer Ton. Tochter Lucieta aus erster Ehe hat sich ebenso den Anordnungen des tyrannischen Vaters zu fügen wie seine zweite Frau Margerita. Niemand darf ohne Genehmigung des strengen Padrone das Haus betreten, die armen Frauen dürfen unerlaubt keinen Schritt auf die Straße machen und vom bunten Treiben des Karnevals nur träumen. Ein Abendessen, zu dem Lunardos Freunde Canciano, Maurizio und Simon geladen sind, bringt auch nicht die erwünschte Abwechslung. Die drei Ungehobelten können - was Geiz, Spießigkeit und Ungefälligkeit betrifft - ihrem griesgrämigen Gastgeber durchaus die Hand reichen. Zweck dieses außergewöhnlichen gesellschaftlichen Ereignisses ist Lunardos geplante Hochzeit seiner Tochter mit Maurizios Sohn Filipetto. Dass die beiden Brautleute noch nichts von ihrem Glück wissen und einander erst am Hochzeitstag kennenlernen sollen, versteht sich von selbst. Doch diesmal haben die Ungehobelten die Raffinesse ihrer geplagten Ehefrauen unterschätzt. Marina, die Frau von Simon und Tante des Bräutigams, und Felice, Cancianos bessere Hälfte, hecken einen Plan aus, damit Filipetto noch vor der Vermählung einen Blick auf seine Zukünftige werfen kann.

Beim Abendessen in Lunardos Haus, bei dem die Grantler und Nörgler einander an Unhöflichkeit übertreffen, inszeniert Felice, die einzige von den Frauen, die sich von ihrem Ehemuffel nicht tyrannisieren lässt, ein listiges Spiel. Filipetto wird als Mädchen verkleidet in Begleitung des ebenfalls maskierten Grafen Ricardo, einem Verehrer Felices, ins Haus geschleust. Lucieta und Filipetto verlieben sich Hals über Kopf ineinander und können ihr Glück kaum fassen. Doch die Masken fallen und die Komödie gerät zur Tragödie. Lunardo durchschaut das Theater, jagt die Gäste aus dem Haus und lässt die Verlobung platzen. Wieder einmal muss die couragierte Felice als Anwältin des Glücks agieren. In einem hitzigen Plädoyier für Toleranz und Gleichberechtigung wäscht sie dem ungehobelten Patriarchen ordentlich den Schädel und rettet damit die ohnehin von allen gewünschte Hochzeit. Um einen Kopf kleiner schreiten die Männer, begleitet von ihren zufriedenen Frauen, endlich zu Tisch und feiern das strahlende Brautpaar.
4D 6H
Komödie
Übersetzung aus dem Italienischen:
H. C. Artmann