Im Zeichen der Ratte

Thomas Sessler

„Ich komme mir nicht wie ein Bewacher, sondern wie ein Gefangener vor.“
Zwei Soldaten, Tom Miller und Mac Powell, bewachen seit Wochen ein leerstehendes Lagerhaus – scheinbar vergessen von der Armee. Sie bekämpfen ihre Langeweile mit Alkohol, schwarzem Humor und absurden Ritualen, wie dem Sammeln von Rattenschwänzen. Eines Tages taucht Lil auf, eine junge Frau, die früher mit einem Zirkus unterwegs war. Die anfängliche Gastfreundschaft der Männer kippt. Alkohol, unterdrückte Begierden und Machtspiele führen zu einer bedrohlichen Dynamik …

Das Stück, erschienen 1970, wurde durch zwei Zeitungsberichte angeregt: Junge amerikanische Soldaten in Vietnam vergewaltigen und töten ein junges Mädchen „zum Spaß“, sie werden verurteilt, aber das Strafmaß nachträglich heruntergesetzt. Der zweite Bericht schildert, wie US-Soldaten, nur mit Steinschleudern und Fallen „zum Rattenfang“ bewaffnet, in einem verlassenen und verrottenden Camp in Deutschland Wache stehen müssen.