Klassiker von Ödön von Horváth mit der Originalmusik der Uraufführung 1934
„Hin und Her“ spielt an der Grenze zwischen zwei Staaten, irgendwo im südöstlichen Europa. Ein armer Schlucker, Ferdinand Havlicek, wird zu einem problematischen „amtlichen“ Fall, weil er diesseits ausgewiesen und jenseits nicht hereingelassen wird. Auf der Brücke über den kleinen Grenzfluss zwischen den miteinander verfeindeten Zöllnern pendelt der Staatenlose hin und her. Er müsste den Rest seines Lebens auf dieser Brücke zwischen den zwei Staaten verbringen, könnte er nicht durch Zufall bei der Festnahme eines berüchtigten Schmugglerpaares helfen, was ihm eine Belohnung, eine Einreisegenehmigung und eine Einheirat verschafft.
Das Stück entstand 1933. Die Bühnenmusik schrieb der Komponist Hans Gál, die Liedtexte verfassten Horváth und Hans Gál in Zusammenarbeit.
ausführliche Beschreibung
Im Herbst 1933 begegnete Ödon von Horváth in Wien dem Komponisten Hans Gál. Gemeinsam entwickelten sie die Musik für die Posse „Hin und Her“, in der Horváth erstmals als Liedtexter tätig wurde. Laut Gál wurden einige der Liedtexte jedoch nicht von Horváth, sondern von ihm selbst verfasst. Horváth zeigte sich von der Zusammenarbeit begeistert und bezeichnete die Musik als „wunderbar“.
Während der Proben zur Uraufführung am Schauspielhaus Zürich war Horváth nicht anwesend, und Gál übernahm die musikalische Leitung. Er studierte die Lieder mit den Darsteller:innen ein – eine nicht ganz unkomplizierte Aufgabe. Trotz der Tonalität und der populärmusikalischen Einflüsse beinhaltete die Musik zahlreiche anspruchsvolle Intervallsprünge und rhythmische Finessen. Zudem wünschten sich die Spieler:innen eigene Lieder, was Gál dazu veranlasste, während der Proben weitere Stücke zu komponieren.
Der Wiener Tag notierte zur Uraufführung 1934 am Schauspielhaus Zürich:
„Die Komödie 'Hin und Her' von Ödön Horvath, Musik von Hans Gal, ist am Schauspielhaus in Zürich sehr erfolgreich zur Uraufführung gelangt. Die merkwürdige Atmosphäre dieses Stückes, dessen Ausdrucksradios vom Possenhaften bis fast an die Grenze des Tragischen reicht, nahm dank einer von Gustav Hartung inszenierten, liebevoll bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Aufführung vom ersten Moment an gefangen. Einen wesentlichen Anteil an dieser Wirkung hatte die vom Komponisten persönlich geleitete Musik, die mit volkstümlichen Couplets und Duetten, reizvoller kammermusikalischer Szenenbegleitung und prächtig aufgebauten Finalis einen künstlerischen Rahmen von einprägsamer Eigenart schafft. Es gab nach beiden Akten vielen Beifall und Hervorrufe.“
In der ersten Inszenierung nach 1945 fand Gáls Musik keine Verwendung, und Hans Weigel (Text) sowie Hans Lang (Musik) schrieben neue Lieder. Es ist anzunehmen, dass Gáls Musik seither nur einmal, 1978 in einer Inszenierung in Zagreb, wieder aufgeführt wurde. In den letzten Jahren erfährt Hans Gáls Werk eine Wiederentdeckung, wird vielfach aufgeführt und sowohl neu als auch erstmals eingespielt. Es wäre nun an der Zeit, auch die vergessene Bühnenmusik zu „Hin und Her“ wieder hörbar zu machen.
„Die Komödie 'Hin und Her' von Ödön Horvath, Musik von Hans Gal, ist am Schauspielhaus in Zürich sehr erfolgreich zur Uraufführung gelangt … Einen wesentlichen Anteil an dieser Wirkung hatte die vom Komponisten persönlich geleitete Musik, die mit volkstümlichen Couplets und Duetten, reizvoller kammermusikalischer Szenenbegleitung und prächtig aufgebauten Finalis einen künstlerischen Rahmen von einprägsamer Eigenart schafft. Es gab nach beiden Akten vielen Beifall und Hervorrufe.“
Wiener Tag, 1934
4D
12H
Orchester: Flöte, Klarinette (Alt-Saxophon), Fagott, Violine, Bratsche, Violoncello, Kontrabass, Klavier, Pauken und Schlagzeug (1 Spieler)
Klavierauszug wird verschickt; bei Anfrage auch Partitur und Einzelstimmen
mit Musik, Schauspiel
UA: 13. Dezember 1934, Schauspielhaus Zürich, Regie: Gustav Hartung