Wölfe und Schafe

Alexander Ostrowski

Eine resolute Gutsbesitzerin, ihr verschlagener Gehilfe, ein törichter Neffe und eine reiche junge Witwe – Intrigen, Drohungen und Betrug bestimmen das Spiel um Macht und Vermögen. Doch am Ende zeigt sich: Die vermeintlichen Wölfe sind nur Schafe – und die wahren Raubtiere schlagen dort zu, wo man sie am wenigsten erwartet.
ausführliche Beschreibung
Die bejahrte, aber deswegen nicht weniger resolute, ledige Gutsbesitzerin Meropija Mursawezkaja, ist ein selbstgerechter Starrkopf, sie schreckt auch vor kriminellen Übergriffen nicht zurück und weiß dabei mit erfahrenem Heuchlertum dennoch ihr Gesicht zu wahren. Sie und ihr verschlagener Gehilfe Wukol Tschugunow, ehemaliges Mitglied des Kreisgerichts, legen alle Menschen, mit denen sie geschäftlich zu tun haben, herein.

Im Gouvernement kriechen alle vor ihr und ihren Launen. Sie will ihren etwas törichten Neffen Apollon mit der hübschen und reichen jungen Witwe Jewlampija Kupawina verheiraten, um deren Vermögen in die Hände zu bekommen; sollte diese nicht wollen, so droht sie ihr unter Zuhilfenahme betrügerischer Manipulationen mit einem Prozeß.

In ihrem Haus lebt ein armes junges Ding, eine Verwandte, Glafira, die bescheiden gekleidet herumlaufen muß, stets den Launen und der Willkür der alten reichen Verwandten ausgesetzt. Der Gehilfe, der gleichzeitig Bevollmächtigter der reichen, aber in Geldsachen unerfahrenen Witwe ist, hat einen Neffen Klawdi, ein junger ausgelassener Bursche, der Meister der Schönschreibkunst ist und tadellos Handschriften und Wechseln zu imitieren weiß. Er ist ein willenloses Werkzeug in den Händen seines Onkels.

Und doch stellt sich heraus, daß die Wölfe in Wahrheit die Schafe sind, die von den wirklichen Wölfen mit Haut und Haar verzehrt werden. Das ist die gute und überraschende Pointe des Stückes.

Denn der wirkliche Wolf, ein Nachbar der Witwe, der kleiner Gutsbesitzer Berkutow, hatte noch zu Lebzeiten des Gatten der Witwe mit dieser einen kleinen Flirt begonnen, weil es in seinen Berechnungen auf lange Sicht lag, sich selber des
Vermögens und der Hand der jungen, schönen Frau zu bemächtigen. Als ihm ebenbürtige Wölfin erweist sich das arme Mädchen Glafira. In einer großartigen Schlußszene müssen sich die gedemütigten vormaligen Wölfe gestehen, daß sie nur knapp mit dem Leben davongekommen sind.
4D 6H
Schauspiel
Übersetzung aus dem Russischen:
Ilse Schneyder