O sole mio

Norbert Silberbauer

Das „La Gondola“ ist ein heruntergekommenes Hotel, das nahe der tschechischen Grenze mit italienischem Flair zu punkten versucht. Miradolina ist die altgewordene Wirtin, die immer noch auf der Suche nach ihrem Dichter Peter Turrini ist, mit dem sie einst ein theatralischen Liebesverhältnis pflegte. Auch Fabrizio ist in die Jahre gekommen und arbeitet pro forma als Oberkellner. Stella, die schöne Tochter der beiden, hat den Ehrgeiz, den Laden wieder auf Vordermann zu kriegen. Sie scheut kein Mittel, die wenigen Gäste mit allen nur erdenklichen erotischen Mitteln zum Verweilen zu animieren. Ihre Eltern kommandiert sie wie Sklaven herum, der Volkssänger Ludwig alias Luigi ist vertraglich zu lebenslanger Rezitation von „O Sole Mio“ verpflichtet. Als Carlo, ein alter, versoffener, kommunistischer Journalist, einen Werbeartikel in die Zeitung bringt, blüht das Geschäft wieder. Der Ausverkauf des Tourismus und die seelische Prostitution, die das Gastgewerbe mit sich bringt, sind nicht mehr aufzuhalten.