Der zerbrochene Krug

österreichische Fassung nach Heinrich von Kleist

H. C. Artmann / Heinrich von Kleist

„Wenn Er doch endlich von Seinen hirnlosen Reden Abstand nähme, wäre mir wohler.“
Warum muss der vermaledeite Krug immer im fernen Huisum zerbrechen? Und warum muss die folgende unglückselige Gerichtsverhandlung immer in einer Sprache abgewickelt werden, die uns – Hand aufs Herz! – doch schon ein wenig fremd anmutet?

H. C. Artmann hat das turbulente Lustspiel um den zertrümmerten Krug (bei ihm ist's ein kostbares Erbstück Budweiser Provenienz) und den Dorfrichter Adam kurzerhand ins Niederösterreichische verlegt und dazu eine Sprache erfunden – oder wiederentdeckt? –, die aus dem etwas angestaubten Bühnenpersonal wieder leibhaftige Menschen macht, „echte wahre Menschen, so gut und treu und so herzlich einfältig, so falsch und bös und so schelmisch in naivem Egoismus, großartig alle in ihrer Kleinlichkeit.“ (Willy Manthey)

Die Dorfbewohner, die um Scherben, Liebe, Moral, um Eifersucht, Schuld und Unschuld rechten, erscheinen in dieser Neufassung als Zeitgenossen Nestroys ausgestattet – aber mit Artmannschem Sprach und Wortwitz, der sowohl Kleistscher wie Nestroyscher Sarkastik schmunzelnd immer noch locker ein Schäuferl nachlegt.
„Heimgeholt hat der Sprachkünstler H. C. Artmann Heinrich von Kleists Lustspiel vom zerbrochenen Krug. Denn nicht im niederländischen Huisum, sondern in der Gegend zwischen Baden und Wiener Neustadt treibt jetzt der lüsterne Dorfrichter Adam sein Unwesen. Und nicht im ausgehenden 18. Jahrhundert, sondern in der Zeit des Doppeladlers passieren die deutlichen Rechtsbrüche in der Provinz. Das gibt Gelegenheit, die bekannten Charaktere des Kleistschen Dramas einmal von einer ganz anderen Seite zu betrachten.“
Helmut Schneider
„Das Gerichtsspiel ist an seiner Wurzel gepackt: Artmann begreift es als uralte Form des Volkstheaters“
Hans Haider
5D 7H
Schauspiel
UA: 15.9.1992, Volkstheater in den Bezirken, Wien, Regie: Fritz Zecha
Übersetzung:
H. C. Artmann