Glaube Liebe Hoffnung

Ein kleiner Totentanz in fünf Bildern

Lukas Kristl / Ödön von Horváth

Zeitloser Klassiker von Ödön von Horváth über den Kampf des Individuums gegen „bürokratisch-verantwortungslose Anwendung kleiner Paragraphen“
„Wenn ich nur wüsst, was ich verbrochen hab –“
Elisabeth, die in der Anatomie ihren Körper verkaufen will, weil sie 150 Mark für einen Wandergewerbeschein braucht, werden von einem mitleidigen Präparator, der sie darüber aufklärt, dass die Anatomie keine Körper lebender Menschen bezahlt, die 150 Mark geliehen. Derselbe Präparator bringt sie ins Gefängnis, als er erfährt, dass sie geschwindelt hat: sie braucht die 150 Mark dringend, um die Geldstrafe zu bezahlen, die sie dafür erhalten hat, dass sie ohne Wandergewerbeschein ertappt worden ist. Auch mit dem Wandergewerbeschein, den ihr eine Firma vorgestreckt hat, ist sie eine erfolglose Vertreterin. Als ein Polizist, der sie heiraten will und ihr als seiner Braut wöchentlich zwanzig Mark 13 gibt, erfährt, dass sie vorbestraft ist, verläßt er sie. Elisabeth sieht keinen anderen Ausweg mehr, als sich zu ertränken. Ihr Argument zum Selbstmord lautet: „Weil ich nichts mehr zum Fressen hab.“
„ein böses, ein genialisch böses Stück“
Friedrich Torberg
„Kein Satz ist zu viel. Man hat beim Lesen so ein kafkaeskes Gefühl der Ausweglosigkeit … Es ist wie Kafka auf TikTok.“
Bonn Park
„Horváth war gegeben, Sprache als Mittel der Entlarvung und Offenlegung zu nutzen. Nicht was in seinen Stücken passiert, ist eigentlich wichtig. Wie die Leute auf der Bühne darüber reden, macht die Verdeutlichung, macht den Spaß, macht den Schrecken seiner Dramen aus.“
Friedrich Luft
„Glaube Liebe Hoffnung geht immer noch an die Nieren, weil es so gnadenlos – und zeitlos – von der Sackgasse am unteren sozialen Rand erzählt.“
rbb